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Das Schneehuhn
(Leseprobe aus:
Albine, 2009,
Bibliothek der Provinz).
Der Vater war ein wenig stolz auf sie, das
spürte sie. Und die Mutter hatte sie immer so weich an ihren Körper genommen,
und so liebevoll gestreichelt, als ob sie etwas Besonderes wäre.
Das war gut zu wissen. Als der Herbst kam, hüpfte sie auf die lustigste Weise im
Kreis. Dann fragte sie jeden rundherum, ob er gesehen habe, wie lustig sie
gehüpft sei. Aber niemand hatte es gesehen.
Nun ja, die Schnee-Eule, das war kein Wunder. Der fielen beim geringsten
Lichtschein die Augen zu. Außerdem hätte sie kaum gesagt, was Albine gern gehört
hätte. Sie sagte doch immer nur: »Es hat alles auch eine gute Seite.«
Aber die Schneehasen. War es denn überhaupt möglich, dass die Schneehasen vor
lauter hastigem Hin und Her gar nichts mehr bemerkten? Alle auf einmal?
Albine war, wie alle Schneehühner um diese Zeit, ganz weiß geworden. Und da es
schon geschneit hatte, und da sie so hoch auf den Bergen war, dass es keine
Bäume gab, sondern nur noch Schneefeld um Schneefeld, war sie wirklich schwer zu
sehen.
Den kleinen schwarzen Schnabel sah man schon, der so rund geschwungen war. Bloß,
wenn sie hüpfte, sauste er so schnell durch die Luft, dass man dachte, es sei
irgendetwas, nur nicht der Schnabel eines Schneehuhns.
Endlich wollte sie doch wissen, ob man sie wirklich nicht sieht. Wozu
herumhüpfen, dachte sie, wozu überhaupt etwas Besonderes sein, wenn keiner es
sieht? So bat sie ihren Bruder Bianco, der in solchen Dingen recht geschickt
war, sie zu zeichnen.
Sie stand ihm Modell. Nein, sie stand natürlich nicht, sie ging, so schön sie
gehen konnte. Und sie hüpfte, so lustig sie hüpfen konnte. Und sie breitete die
Flügel aus, damit man ihre Federn besser sehen konnte. Sie flog sogar, ja, sie
flog.
…
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