Wir wollen, Lesbia,...
Wir
wollen, Lesbia, gleich lieben nd gleich leben
Und, wann das alter murrt, nicht so viel darauff geben,
Ja gar kein Haar darnach auch fragen was man hört.
Die Sonne, wann die nacht sich auß der see umpört,
Fährt schamrot unterhin, und kömpt doch morgen wieder.
Geht unser kurtzes liecht, O elendt: ein mal nieder
Da schläfft man eine nacht die immer wehren muß.
Drumb gib mir tausendt mal, dann hundert einen kuß,
Noch tausendt wollest du, drauff hundert, mir noch reichen.
Dann tausendt abermals, ein hundert dann ingleichen.
Wann so viel tausendt sind so mischen wir sie ein,
Daß niemand weiß wie hoch die menge möge seyn,
Und daß kein böses maul uns nicht beruffen müsse
Im fall es überschlegt die große Zahl der küsse.
(Übersetzung: Martin Opitz)
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