Ustrinkata
(Leseprobe aus:
Ustrinkata, Prosa, 2012, Edition
Engeler).
«
Wie frisch halten, das ist die Kardinalfrage, sagt der Otto.Ja, sagt die Silvia, ein bisschen Sorge tragen halt, alles eine
Frage der Haltung, dann stürzen sie einem auch nicht ins
Unglück, eine Aufmerksamkeit manchmal vielleicht wäre
denn nicht zu viel verlangt, sagt die Tante, aber davon
verstehen solche, die die Büchse Ravioli mit der grossen Axt
auftun, wohl nicht wirklich viel. Jetzt aber, als ob wir auf den
Kopf gefallen wären, sagt der Luis, zum Geburtstag eine
Hirschzahnkette, und der Braten ist gekocht. Ach was, sagt
der Otto, ich habe der Friederike zum Geburtstag, gerade
bevor sie einfach so gestorben ist im Herbst, einen Trog
Geranien geschenkt. Da wird sie sich sicher sehr darüber
gefreut haben, sagt die Silvia und schüttet Schnaps in ihren
Caffefertic, mir hat der Pieder aus Puzzatsch mal einen Korb
mit exotischen Früchten aus Plastik geschenkt, vielleicht ist
es doch besser, wenn du wieder gehst, habe ich gesagt, und
nimm deinen Fresskorb doch gleich wieder mit, sie zündet
sich eine Select an, jeder macht halt, was er kann. Mir
schenkte der Leonardo, der aus Livigno, der hier zwei
Sommer lang arbeitete, einen Langlaufdress zum ersten
August, einen roten, einer dieser engen mit Reissverschluss,
frag mich nicht wozu, dann lieber noch eine Poesia d’amur
vom Gion Bi, Blumen, sagt der Alexi und lächelt, ein
anderer, ein Waldarbeiter aus Camischolas, sagt die Tante,
schenkte mir einen Föhn, einen grünen. Der Werner wollte
mir eine Wohnwand schenken, sagt die Silvia, eine dunkle
wie die Nacht, oje, ob er diese doch nicht lieber wieder
seiner Mutter zurückbringen wolle, habe ich ihn gefragt. Sie
trinkt ihren Caffefertic aus, ich nehme dann noch einen, sagt
sie, mit dem Teppichklopfer hätte ich dem gegeben. Der
Friederike habe ich ein Feuer gemacht, sagt der Otto, ab
dann wusste sie. Von Zeit zu Zeit einen Hirsch nach Hause
bringen und auf den Küchentisch abstellen, da braucht es
keine Worte, sagt der Luis, das ist wohl Liebe genug.
»Rezension I Buchbestellung I home 0I12 LYRIKwelt © Engeler Verlag