Unterwegs...
Der Mensch in seiner
ursprünglichen Einfachheit,
sich oft versucht in Bescheidenheit,
nicht immer will ihm dies gelingen,
wenn er muss Verzicht aufbringen.
Manchmal will er halt der Erste sein,
der Beste auch noch obendrein,
schön und reich, so sieht er's gern,
man steht doch unter einem guten Stern !
Mit Ellenbogen kann es nur gelingen,
man will es halt zu etwas bringen,
bald hat man alles, was man braucht
und was noch fehlt, das wird gekauft.
Für Gefühle bleibt meist keine Zeit,
damit kommt man ja doch nicht weit.
Zeit ist Geld und Geld ist Macht,
wie schön, wenn uns Erfolg anlacht.
Freunde stellen sich in Scharen ein,
der Mensch ist halt nicht gern allein,
selbst Verlassenheit unter so vielen Leuten
muss noch lange nichts bedeuten !
In all diesem Bestreben man oft vergisst,
was der Mensch nun wirklich vermisst,
jene Dinge, die den Mensch zum Menschen machen,
die Liebe, die Freude, das Weinen und Lachen.
Und auf einmal sind die Jahre dahin
und man sucht vergebens nach des Daseins Sinn,
so viel geredet und dabei nichts gesagt,
die Seele riskiert, zu leben nicht gewagt.
Die Sprache des Herzens oft überhört,
den inneren Frieden im Keime zerstört,
grosse Werte ganz klein getreten,
verlernt zu lieben, zu leben, zu beten.
Und dann, wenn die Kraft des Lebens schwindet
und nur noch gemeinsames Schweigen bindet,
wenn wir uns selbst nicht mehr ertragen
und nach der ungesäten Ernte fragen.
Da erinnert man sich schmerzlich an jene Zeit,
wo man den Weg gehen wollte in Einfachheit.
So machen sich breit Kummer und Harm,
unsagbar reich und doch erbärmlich arm.
Gefangen in selbstgemachter Einsamkeit,
mit frierendem Herzen und Bitterkeit,
gestorben, ohne wirklich gelebt zu haben,
tiefe Furchen ins Gesicht gegraben.
Wie gut, dass gewisse kleine Dinge ganz bestimmt
auf dieser Welt nicht zu kaufen sind.
(1995)
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