Woyzeck von Georg Büchner, ReclamGeorg Büchner

Leonce und Lena
(Leseprobe aus: Leonce und Lena, Lustspiel, Dritter Act, Erste Scene1850)

Leonce: Valerio.

Valerio: Heirathen? Seit wann hat es Eure Hoheit zum ewigen Kalender gebracht?

Leonce: Weisst du auch, Valerio, dass selbst der Geringste unter den Menschen so gross ist, dass das Leben noch viel zu kurz ist, um ihn lieben zu können? Und dann kann ich doch einer gewissen Art von Leuten, die sich einbilden, dass nichts so schön und heilig sei, dass sie es nicht noch schöner und heiliger machen müssten, die Freude lassen. Es liegt ein gewisser Genuss in dieser lieben Arroganz. Warum soll ich ihnen denselben nicht gönnen?

Valerio: Sehr human und philobestialisch. Aber weiss sie auch, wer Sie sind?

Leonce: Sie weiss nur dass sie mich liebt.

Valerio: Und weiss Eure Hoheit auch, wer sie ist?

Leonce: Dummkopf! Frag doch die Nelke und die Thauperle nach ihrem Namen.

Valerio: Das heisst, sie ist überhaupt etwas, wenn das nicht schon zu unzart ist und nach dem Signalement schmeckt. Aber, wie soll das gehn? Hm! - Prinz, bin ich Minister, wenn Sie heute vor Ihrem Vater mit der Unaussprechlichen, Namenlosen, mittelst des Ehesegens zusammengeschmiedet werden? Ihr Wort?

Leonce: Mein Wort!

Valerio: Der arme Teufel Valerio empfiehlt sich Seiner Excellenz dem Herrn Staatsminister Valerio von Valerienthal. "Was will der Kerl? Ich kenne ihn nicht. Fort Schlingel!"

(Er läuft weg, Leonce folgt ihm.)

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