Tsead Bruinja

ich trank bis ich einfältig genug war geliebt zu werden
(Übertragung Marinus Pütz)

Ich trank, bis ich einfältig genug war, geliebt zu werden. Ich ließ mich lieben. Die Erde riß unter meinen Füßen auf. Ich trank, bis ich einfältig genug war, um geliebt zu werden. Der Suff legte in meiner Kehle Feuer und löschte meine Gedanken. Ich trank, bis ich einfältig genug war, geliebt zu werden. Sie rief mich an, ich zitterte. Sie kämpfte um das, was ich verprasste. Sohn des Gedankens. Vater des Gebets. Natter um die Füße des großen eisernen Bettes gewunden. Kaleidoskop körniger Bilder. Ich rauchte, bis ich ruhig genug war zu bleiben. Die Erde riß auf. Sie rief mich an, ich zitterte. Wir kämpften um das, was ich verprasste. Der Sohn des Gedankens. Der Vater des Gebets. Eine Natter um die Füße des großen eisernen Bettes gewunden. Ich rauchte, bis ich ruhig genug war, geliebt zu werden.

Der Mann, der auf der anderen Seite herumschreit, kann sich bis zum Freizeichen nicht gedulden. Sie geht nicht ran.  Der Mann, der am Ende der Leitung herumschreit, steht in einer Landschaft. Vor ihm ein Feld voller Blumen. Mitten auf einer Weide liegen zwei Geliebte ohne Telefon. Auf der linken Seite der Weide befindet sich eine Fläche. Auf der rechten Seite eine Frau in einer Telefonzelle, wartend auf einen Anruf. Von der Telefonzelle aus geht ein Kabel. Mitten auf einer Weide liegen zwei Geliebte ohne Telefon. Über ihnen ein dickes weißes Kabel. Als die Frau ans Telefon geht, fliegen die Vögel davon. Sie nehmen die Blumen mit, schreit der Mann. Er wartet, wartet nicht auf das Freizeichen. Er wartet auf die Vögel. Dann.

Er zerrt ein Kind durch den Sand. Das sich wehrt. Das sich aufbäumt. Mach, daß du hier wegkommst. Mach, daß du dich anpaßt. Daß du ausstirbst. Er zerrt ein Kind durch den Sand. Es stockt.

Ränder unter ihren Augen. Durchspülen. Kerzen auf der Torte. Durchspülen. Ränder unter ihren Augen. Ihr Kind in Aufregung. Wird böse. Beherrsch deine Wut. Aufschieben. Durchspülen. Spül bis in die Landschaft durch. Zwei Geliebte liegen auf einer Weide. Ohne Telefon. Ohne Sicht auf die Telefonzelle. Ohne Sicht auf die Landschaft. Der Strand riß unter meinen Füßen auf. Das Kind fiel. Sie rief mich an, ich zitterte. Die Blumen verschwanden von den Dünen. Ich rauchte bis ich ruhig genug war, die Geliebten auf der Weide lachen zu sehen. Trank bis ich still genug war, geliebt zu werden.

Rezension I Buchbestellung I home IV09 LYRIKwelt © Tsead Bruinja