Jonny Bruhn-Tripp

Wohnungslos

Arbeitslos,
Wohnungslos,
Ich weiß nicht,
was mit meinem Leben passiert ist,
schlafe auf den Straßen,
wühle in Abfallkörben,
hebe Zigarettenstumpen auf
und bitte und bettle um Geld

er ist seine Wohnung los,
   hat nun kein eigenes Zuhause mehr

er ist mit seiner Wohnung das Schlafzimmer los,
   hat nun kein eigenes Bett zum Schlafen mehr

er ist mit seiner Wohnung die Küche los,
        hat nun keinen eigenen Tisch zum Essen und Trinken mehr

er ist mit seiner Wohnung das Badezimmer los,
   hat nun keinen eigenen Ort für seine Notdurft und zum
                                                              Ausspannen mehr

er ist seine Wohnung los,
   hat nun kein Bankkonto mehr,
      es wurde - wie sein Arbeitsplatz
                         und die Wohnung zuvor - gekündigt

er hat mit seiner Wohnung vieles verloren,
   seinen Lebensmittelpunkt,
      seine Intimsphäre und sein Privatleben dazu


er ist seine Wohnung  los,
   kann nun keine Gäste mehr empfangen,
      er kann niemanden bei sich übernachten lassen

.er ist die Heizung los,
      kann nun nicht mehr vor Kälte und Nässe fliehen,
         vor dem Fernseher sitzen und lachen


   er ist den Haushalt los,
      hat nun keine Elektrogeräte, keinen Hausrat,
        keine Möbel, keine Wäsche, keinen Kleiderschrank
          und keinen Schuhschrank mehr

er ist seine Wohnung los, und
was sein ist,
               trägt er am Körper,
               trägt er in einem alten Rucksack,
                           in einer zerknüllten Plastiktasche,

er ist seine Wohnung los,
   wo er schläft, weiß er am späten Abend erst,

er hat kein Schlafzimmer mehr,
   und wo er schläft, kann er sich nicht sicher sein,
   .häufig schon trafen Stiefel sein Gesicht,
                von Gelächter und Schimpftiraden begleitet

er hat kein Badezimmer mehr,
   wo und wann er sich waschen, pflegen kann,
   wird sich ergeben:  Heute -  Morgen    -   Irgendwann,
     
er hat keine Wohnung mehr,
   und was und wann und wo er was
                               zu essen und zu trinken bekommt,
                               kann er heute  für morgen
                               und die nächsten Tage nicht sagen  

er hat keine Wohnung und kein Bankkonto mehr,
   er schläft auf der Straße,
            auf der Straße isst und trinkt und bettelt er,

er führt schon seit langem kein Privatleben mehr,
   wäscht und kleidet sich in öffentlichen Toiletten,
      was immer er tut, wird in aller Öffentlichkeit behelligt

auch sie,
   auch sie hat ihre Wohnung verloren,
   und ist gewohnt wie er, öffentlich behelligt zu werden,
   nur ist es schlimmer,

  sie wird manchmal von Männern wie Freiwild behandelt
- tagelang -

Rezension I Buchbestellung I home IV08 LYRIKwelt © J.B-T.