Wespen-Sonette
I.
Das Stroh ist gelb. Das ist Septembers
Farbe.
Die fette Birne ist so gelb wie er,
Und für die Wespe da, daß sie nicht darbe:
Verspätete, sonst flögen viele her!
Die goldne Sonne hängt am Himmel schwer,
Gelb wie die Birne, die zersprungen klafft.
Die Wespe trinkt bedächtig von dem Saft:
Die Birne, weiß sie, wird so schnell nicht leer
Und trocken sein, und nichts als dürre
Haut!
Vom Himmel oben, der gewaltig blaut,
Strömt überreifes, süßes Licht hernieder.
Die Wespe trinkt. Bei jedem Zuge
rührt
Die Brust sich ihr, spannt sich das enge Mieder,
Das ihre fräuleinshafte Hüfte schnürt.
II.
Die letzten Zwetschgen süßen sich am Ast,
Die Tafel sonst ist nicht mehr reich bestellt.
Die Wespe spürt: es ändert sich die Welt.
Doch weiß sie, was sich ziemt für einen Gast
Und hört nicht auf die Gartenlust zu
preisen,
Das blaue Mahl. Die Sonnenblumen prahlen:
Komm her! Mach schnell! Um auch bei uns zu speisen,
Bevor die Vögel sich das Beste stahlen!
So lebt sie ihren Tag, Mitsingende
Im dünn gewordnen Chor der gelben Schwestern,
Noch als der Wind, der regenbringende,
Sich austobt an den leeren Vogelnestern
Im Baumgeäst - ein Raufbold der, ein grober
Kennt seinen Namen nicht, doch ihn, Oktober!
Rezension I Buchbestellung I home III07 LYRIKwelt © Mit freundlicher Genehmigung von Ingeborg Schuldt-Britting/www.britting.com