Georg Britting

Wespen-Sonette  

I. 

Das Stroh ist gelb.  Das ist Septembers Farbe. 
Die fette Birne ist so gelb wie er, 
Und für die Wespe da, daß sie nicht darbe: 
Verspätete, sonst flögen viele her!

Die goldne Sonne hängt am Himmel schwer, 
Gelb wie die Birne, die zersprungen klafft. 
Die Wespe trinkt bedächtig von dem Saft: 
Die Birne, weiß sie, wird so schnell nicht leer

Und trocken sein, und nichts als dürre Haut! 
Vom Himmel oben, der gewaltig blaut, 
Strömt überreifes, süßes Licht hernieder.

Die Wespe trinkt.  Bei jedem Zuge rührt 
Die Brust sich ihr, spannt sich das enge Mieder, 
Das ihre fräuleinshafte Hüfte schnürt.

II. 

Die letzten Zwetschgen süßen sich am Ast, 
Die Tafel sonst ist nicht mehr reich bestellt. 
Die Wespe spürt: es ändert sich die Welt. 
Doch weiß sie, was sich ziemt für einen Gast

Und hört nicht auf die Gartenlust zu preisen, 
Das blaue Mahl.  Die Sonnenblumen prahlen: 
Komm her!  Mach schnell! Um auch bei uns zu speisen, 
Bevor die Vögel sich das Beste stahlen!

So lebt sie ihren Tag, Mitsingende 
Im dünn gewordnen Chor der gelben Schwestern, 
Noch als der Wind, der regenbringende,

Sich austobt an den leeren Vogelnestern 
Im Baumgeäst - ein Raufbold der, ein grober 
Kennt seinen Namen nicht, doch ihn, Oktober!

Rezension I Buchbestellung I home III07 LYRIKwelt ©  Mit freundlicher Genehmigung von Ingeborg Schuldt-Britting/www.britting.com