Schwachstellen von Hartmut Brie, 2008, WiesenburgHartmut Brie

Afrikanische Träume
(Leseprobe aus: Schwachstellen, Gedichte, 2007, Wiesenburg Verlag).

Afrikanische Träume sind wie Schecks 
auf die Zukunft ohne Sicherheiten,
sie erfassen die Zeit mit Gegenwartsbezügen, 
die sie wie in Trance genießen.
Die Religion ist wie ein  Spiegel, 
der das soziale Kräfteverhältnis regelt.
Sie liegt auf der Seele und im Gemüt, 
die sich mit magischer Verzückung einpegelt.
Der Zauber eines Dings liegt in seiner Macht, 
sich auf etwas einzuschießen.
Die schwarze Messe mit ihrer dunklen Sprache 
kann das Unglück einleiten.

Afrika ist wie ein unfertiges Geschöpf 
mit viel Geduld und wenig Mut,
es steht mit der Schrift auf Kriegsfuß 
und erzählt überlieferte Geschichten.
Der Staat ist wie ein Raubtier, 
das belauert und zur Strecke bringt.
Er zertritt jeden Keim von Demokratie, 
der ansatzweise nach oben dringt.
Die Macht ist wie ein Besitz, 
sie verläuft quer durch alle Schichten.
Die Tonangebenden bereichern sich 
an fremdem Hab und Gut.

Du, Afrika, bist wie eine unnütze Leidenschaft 
im Selbstvergessensrausch.
Du singst  melancholische Lieder 
über karge Böden mit schmalem Ertrag.
Deine Kinder liegen im Sterben, 
Aids bricht aus und nichts passiert.
Die Kindersoldaten verrohen im Busch 
und die Mordlust grassiert.
Die Ahnen werden beopfert, 
aber ihre Mitsprache ist wie ein müder Flügelschlag.
Die Seelen der Dinge sind wund 
und fast alles steht bereit zum Schlagabtausch.

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