Das Elfenportal von Herbie Brennan, 2003, dtv

Herbie Brennan

aus: Das Elfenportal

Einen Moment lang stand Henry Atherton einfach nur mit offenem Mund und wild blinzelnden Augen da und versuchte sich zu entscheiden, was er dort sah. Hodge hatte einen Schmetterling gefangen, na klar - bloß war es kein Schmetterling, was Henry da sah. Er sah ein winziges geflügeltes Wesen. Die Flügel ähnelten Schmetterlingsflügeln, aber der Körper …

Henry schüttelte den Kopf. Er sah eine Elfe!
Das Problem war, dass er nicht an Elfen glaubte. Er kannte nicht mal jemanden, der an Elfen glaubte. Außer, sagte eine Stimme in seinem Kopf, Mr Fogarty. Mr Fogarty glaubte an Elfen! Aus irgendeinem Grunde beruhigte ihn das. Mr Fogarty glaubte an Elfen. Und außerdem an Gespenster und fliegende Untertassen. Mr Fogarty glaubte auch, die Welt würde von einem Geheimbund beherrscht. Bloß weil Mr Fogarty an etwas glaubte, gab es das noch lange nicht wirklich.

Aber Henry sah eine Elfe. Einen verrückten Moment lang fragte er sich, ob Mr Fogarty sie irgendwie konstruiert hatte. Dann löste er sich aus seiner Erstarrung.

»Hodge, du blödes Vieh!«, brüllte er. Er stürzte sich auf den Kater und packte ihn im Nackenfell, wie Katzenmütter das mit ihren Jungen taten. Hodge schrie und ließ die … Hodge ließ fallen, was immer er da im Maul gehabt hatte. Dann ließ Henry ihn fallen. Der Kater funkelte Henry vorwurfsvoll an, stolzierte keine zwei Schritte weit weg und setzte sich. Henry fing die Elfe in seinen hohlen Händen und passte auf, ihr nicht die Flügel zu zerdrücken.
Während Hodge sich putzte, um seine Würde wiederzuerlangen, öffnete Henry vorsichtig seine Handflächen und spähte hinein. Das Wesen sah etwas benommen aus. Sein Kopf hing ein bisschen schief, wahrscheinlich weil Hodge darauf herumgekaut hatte. Auf der einen Schulter war vielleicht etwas Blut, aber ganz sicher war Henry sich nicht.

Henry zwang sich zum Nachdenken über das, was er da in den Händen hielt, aber unmöglich in den Händen halten konnte. Es war eine Art kleiner geflügelter Mann. Na ja, eigentlich eher ein kleiner Junge. Oder eigentlich kein kleiner Junge - er schien ungefähr in Henrys Alter zu sein - eher ein Jugendlicher, aber eben winzig klein. Er war bekleidet mit einer Jacke und weiten Hosen, die dunkelgrün sein mochten - schwer zu sagen, welche Farbe es wirklich war. Seine Flügel waren braun und so ähnlich gezeichnet wie die des Malvenwürfelfalters.
Henry schluckte. »Wer bist du?«

Der Elf - es musste ein Elf sein - schlug sich die Hände an die Ohren und versuchte sich aus Henrys Handkäfig zu befreien. Henry schob rasch die Daumen über die Lücke. Dann machte er sie ein Stück wieder auf und fragte mit leiserer Stimme: »Wer bist du?«

Auf einmal wurde ihm klar, dass er ganz schön viel voraussetzte. In den Geschichten konnten Elfen immer reden. Aber wie war es in Wirklichkeit? Was war ein Elf überhaupt? Dieser hier sah wie ein kleiner Mensch aus, aber da es ja nun einmal kein Mensch war; handelte es sich vielleicht um irgendeine Art Tier. Es kam Henry komisch vor, Elfen als Tiere anzusehen, aber der Gedanke drängte sich fast auf: Sie hatten Flügel wie Insekten - und vielleicht waren sie genau das: einfach nur arme kleine dumme Tiere. Sehr seltene arme kleine dumme Tiere …

Und selbst wenn das nicht der Fall war, hieß das noch lange nicht, dass sie Englisch sprachen.
Es war recht dunkel in der Höhlung seiner Hände, aber er glaubte zu sehen, dass der Elf den Mund bewegte. Kein Ton kam heraus. Henry beschloss davon auszugehen, dass er doch Englisch verstand, und sagte, sehr leise diesmal: »Ich tu dir nichts. Ich hab dich vor der Katze gerettet.« Er hatte eine plötzliche Eingebung und fügte hinzu: »Nicke mit dem Kopf, wenn du mich verstehst.«
Der Elf schob seinen Kopf zwischen Henrys Händen hervor und nickte.
 »Versprichst du mir, dass du nicht versuchst wegzufliegen, wenn ich meine Hände aufmache?« Der Elf nickte begeistert.
Henry machte langsam die Hände auf und der Elf versuchte wieder; sich hinauszustürzen. Henry machte schnell wieder zu. »Denkste, Freundchen!« Er trug den Elf in den Schuppen und sah sich um; bis er ein leeres Marmeladenglas entdeckte: Vorsichtig ließ er das Wesen hineinfallen und hielt die Öffnung mit einer Hand zu, während er nach dem Deckel suchte. Er schraubte fest zu und hielt das Glas prüfend hoch. Der Elf umklammerte seinen Hals und zuckte in einer Pantomime des Erstickungstods. »Ja ja, schon klar«, sagte Henry. »Bleib ein Stück weg.« Er würde den Deckel auf keinen Fall wieder aufmachen, aber er stieß mit seinem Taschenmesser ein paar Luftlöcher hinein. Der Elf sah ihm dabei zu und duckte sich. Ein dummes Tier war er eindeutig nicht.

Und jetzt? Was machte man, wenn man einen Elfen gefangen hatte?
Ihm kam ein Gedanke. Er schob ihn beiseite; aber er kam ihm gleich noch mal. Nach einem Moment fragte Henry leise, und er fühlte sich sehr dumm dabei: »Hab ich jetzt drei Wünsche frei?«
Der Elf hielt sich lauschend eine Hand ans Ohr.
Henry leckte sich die Lippen. »Hab ich jetzt drei Wünsche frei?«, fragte er noch einmal, lauter diesmal.
Der Elf nickte wild und tat dann so, als würde er einen Deckel aufschrauben.
»O nein«, sagte Henry entschieden. Er fühlte sich ein bisschen verschaukelt. Nur kleine Kinder glaubten daran, dass einem Elfen drei Wünsche erfüllten. Aber es glaubten ja auch --- nur kleine Kinder an Elfen. Er kratzte sich den Kopf. Was sollte er jetzt machen?

Vielleicht konnte Mr Fogarty ihm etwas dazu sagen. Mr Fogarty war Henry gegenüber ganz entschieden im Vorteil: Er glaubte wirklich, dass Elfen existierten. Das konnte bedeuten, dass er sie studiert hatte. Vielleicht hatte er nie welche gesehen, aber Bücher über sie gelesen. Je länger Henry darüber nachdachte, desto vernünftiger fand er es, Mr Fogarty den Elf zu zeigen. Bevor er es sich wieder anders überlegen konnte, nahm er das Marmeladenglas und ließ es in die Jackentasche gleiten.
Er fand Mr Fogarty in der Küche. Der machte sich gerade einen Pott Instant-Kaffee. »Schon fertig?«
Henry schüttelte den Kopf. »Hab noch nicht mal angefangen.«
»Willst du einen Kaffee?«
»Nein. Ich -«
»Gut«, sagte Fogarty, »ist nämlich der letzte. Kommt morgen auf die Supermarktliste. Instant-Schrott mit giftigen Zusatzstoffen, ein Glas, groß. Lebensmittelketten? Sollte man allesamt schließen.«

Das wollte Henry lieber nicht vertiefen. Er sagte: »Darf ich Ihnen was zeigen, Mr Fogarty?«
Aus irgendeinem Grunde war Fogarty sofort hellhörig. »Hast du es im Schuppen gefunden?« »Nein, im Schuppen nicht direkt. Davor.« Das Glas blieb in seiner Tasche hängen, als er es herauszuziehen versuchte, aber schließlich schaffte er es.
Fogarty beugte sich vor und sah mit zusammengekniffenen Augen durch das fleckige Glas. »Irgendein Kinderspielzeug?« Der Elf bewegte sich. »Du lieber Gott!«, stieß Fogarty aus und machte einen Satz. Dann grinste er. »Das ist gut. Für einen Moment bin ich voll drauf reingefallen. Was ist es - ferngesteuert?«
»Es ist ein Elf«, sagte Henry.
Sie saßen einander gegenüber, den Elf im Glas zwischen sich auf dem Küchentisch. »Glaubst du, er kann sprechen?«
»Er bewegt die Lippen, aber hören tu ich nichts«, erklärte Henry.

»Könnte an der Tonhöhe liegen«, sagte Fogarty. »Die Stimmbänder von dem Kerlchen müssen sehr kurz sein. Jeder Ton, den, er von sich gibt, muss im hohen Register sein, wie bei einer Fledermaus. Kannst du Fledermäuse noch hören?«
»Wie sie kreischen?«, fragte Henry. »Ja, kann ich.«
»Das lässt nach, wenn man älter wird. Irgendwie verändern sich die Ohren. Ich hab schon seit fünfzig Jahren keine Fledermaus mehr hören können.« Er sah wieder zu dem Elfen. »Könnte natürlich auch die Lautstärke sein. Viel Lungenkapazität hat er ja nicht.«
»Er kann mich hören«, sagte Henry. »Und verstehen.«
»Ach, klar versteht er dich. Das sind gerissene kleine Kerlchen, nach allem, was man so mitbekommt. Und gefährlich dazu.«
Henry runzelte die Stirn. »Wie kann jemand, der so klein ist, gefährlich sein?«
Fogarty sah ihn ernst an. »Animalische Schläue«, sagte er. »Sie locken dich ins Elfenland und dann haben sie dich.«
Er konnte nicht meinen, was Henry glaubte, dass er da meinte. »Mit … Magie oder so?«
»Zahlenmäßige Übermacht«, schnaubte Fogarty. »Manche haben auch tödliche Giftstacheln, wie afrikanische Bienen.«
»Glauben Sie wirklich, es gibt so einen Ort wie das Elfenland?«, fragte Henry.
»Einen Ort … an dem Magie funktioniert?«
»Was soll dieses ganze Gerede von Magie?«, fragte Fogarty säuerlich. »Ich spreche von einer anderen Realität. Bringen sie euch in der Schule keine Physik bei?«
»Also eigentlich -«

Fogarty hörte gar nicht zu. »Einstein - du weißt doch, wer Einstein war?«
Henry nickte.
»Einstein nahm an, dass es ungefähr eine Million Universen gleich neben dem hier gäbe. Die Quantenjungs sagen das Gleiche, manche jedenfalls. Hast du nie von Hoyles Different-Spouse-Theorie gehört? Du wachst, obwohl du verheiratet bist, jeden Morgen neben jemand anderem auf, weil du in ein völlig neues Universum übergewechselt bist, bloß dass du es nicht weißt, weil du gleichzeitig einen völlig neuen Satz Erinnerungen bekommen hast.« Er bemerkte Henrys Gesichtsausdruck und fügte hinzu: »Ist ja auch egal. Ich würde sagen, das Ding kommt aus einem Paralleluniversum: Irgendwelche Hinweise auf Ufos?«
Verdattert schüttelte Henry den Kopf. Der Elf saß im Schneidersitz in dem Marmeladenglas und starrte zu ihnen hinaus. Wenn er ihre Unterhaltung hören konnte, so ließ er es sich jedenfalls nicht anmerken.
Fogarty sagte: »Mach den Deckel ab.«
»Was? Und wenn er davonfliegt?«
 
»Wo will er denn hin? Die Fenster sind zu, die Hintertür auch. Außerdem - wenn er das versucht, hol ich meine Fliegenklatsche.« Fogarty grinste plötzlich. »Das hat er gehört, stimmt's? Das hinterlistige kleine Kerlchen hört uns die ganze Zeit zu. Guck dir sein Gesicht an. Die Fliegenklatsche für dich, Jungchen, wenn du irgendwas Dummes versuchst. Hast du verstanden? Comprendes?«
Im Marmeladenglas nickte der Elf.
»Hab ich's nicht gesagt«, sagte Fogarty zu Henry.
»Mach den Deckel ab.«
Henry schraubte widerstrebend den Deckel ab und legte ihn neben das Marmeladenglas auf den Tisch. Nach einem Moment streckte der Elf sich zum Rand hinauf und zog sich hoch. Henry fiel auf, dass er dazu kaum die Flügel benutzte. Er sprang hinunter auf den Tisch und sah Fogarty wachsam an.

»So, dann pass mal auf«, sagte Fogarty. »Ich finde, wir zwei sollten uns mal unterhalten, Jungchen. Das Problem ist nur, du kannst mich hören, aber ich kann dich nicht hören. Aber das krieg ich hin. Wenn's an der Tonhöhe oder der Lautstärke liegt, kann ich uns was bauen. Wird nicht schön werden, aber funktionieren. Tja, und das kannst du nun auf die harte Tour oder auf die sanfte Tour haben. Du kannst versuchen wegzulaufen oder wegzufliegen oder was dir sonst einfällt, aber du wirst nicht weit damit kommen. Ich werd keine Fliegenklatsche benutzen. Das war bloß ein Witz - du bist viel zu kostbar. Aber ich kann dich wieder einfangen, kinderleicht, mit einem Schmetterlingsnetz, und wenn ich das tue, landest du wieder in dem Glas. Also, wie sieht's aus? Wirst du brav sein?«
Der Elf nickte.
»Alles klar«, sagte Fogarty. »Wird nicht lange dauern.«

Der Elf setzte sich mit dem Rücken an das Marmeladenglas und sah zu, wie Fogarty eine alte Schuhschachtel vom Schrank herunterholte. Sie war voller Drahtknäuel und verstaubter Elektronikbauteile. Fogarty wühlte darin herum und legte diverse Einzelteile auf den Küchentisch. Henry fiel auf, dass darunter ein kleiner Lautsprecher aus einem alten Transistorradio war. Fogarty fand eine zerknautschte Tube leitfähigen Klebstoff und sah nach, ob er noch flüssig war.
»So was benutzt heute keiner mehr«, bemerkte er. »Nur noch verdammte Mikrochips und Platinen.«
Henry sah fasziniert zu, wie Fogarty etwas zusammensetzte, an dessen eines Ende der Lautsprecher kam. Seine alten Hände waren mit Leberflecken übersät; aber erstaunlich gewandt, als besäße er sehr viel Erfahrung mit komplizierten Geräten. Er war fast fertig, da stand der Elf auf und ging hinüber, um Fogarty die Teile zu reichen, die er gerade brauchte. Das kleine Wesen schien instinktiv zu begreifen, wie der Apparat funktionieren würde.
 
Als das letzte Einzelteil an seinem Platz war, sagte Fogarty zu Henry: »Guck mal, ob in der Schublade unter der Spüle eine Batterie ist. Neun Volt. So eine kleine, eckige.«
Die Schublade schien nichts als Schnur zu enthalten, aber schließlich fand Henry ganz unten eine Batterie. »So eine hier?«
Fogarty überprüfte gerade die Verbindungen und sah kaum auf. »Ja, die ist gut.« Er ließ sich die Batterie geben und wickelte Drähte um die Pole. »Hier sprichst du rein«, sagte er zu dem Elfen und zeigte auf ein Knopfmikrofon, das größer als dessen Kopf war.
Der Elf beugte sich über das Mikrofon, sah Fogarty an, dann Henry. Er bewegte die Lippen, und eine blecherne Stimme krächzte aus dem Lautsprecher. »Du warst ganz schön grob zu dieser Katze.«

Henry blinzelte. »Diese Katze hat dich fressen wollen! protestierte er. »Diese Katze hat gedacht, du wärst ein Schmetterling.« Aber er musste auch schmunzeln. Er mochte Katzen selbst ganz gern, sogar solche dicken Brocken wie Hodge.
»Ich wäre schon mit ihr fertig geworden«, erklärte der Elf mit blecherner Stimme.
»Jetzt lasst das mal mit der Katze«, mischte Fogarty sich ein. » Wir haben Wichtigeres zu besprechen. Verstehst du, was ich sage«
»Sicher.«
»Dann sprichst du Englisch?«
»Wenn es das ist, was Sie sprechen.«
»Natürlich ist es das, was ich spreche. Wo hast du es gelernt?«
Der Elf schenkte ihm einen Blick, der einer Sphinx würdig gewesen wäre. »Ich weiß nicht, warum Sie sich so an der Sprache aufhängen: Sie können mich verstehen, ich kann euch verstehen. Ich brauch eure Hilfe.«
»Wir reden doch hier wohl nicht von Spionage, oder, weil das nämlich -«
Henry unterbrach ihn: »Unsere Hilfe wobei?« Vielleicht würde der Elf sich irgendwie revanchieren. Henry gingen seine Eltern nicht aus dem Kopf. Und ihm ging die Sache mit den drei Wünschen nicht aus dem Kopf. Aber nach den drei Wünschen konnte er vor Mr Fogarty nicht fragen. Und über seine Eltern reden auch nicht.

»Wieder dorthin zurückzukehren, wo ich herkomme.«
Henry zögerte. »Du meinst … ins Elfenland?«
»Wenn ihr es so nennt.«
»Wie nennst du es?«, fragte Fogarty aggressiv.
Sie sahen beide, wie der Elf die Achseln zuckte. »Ich nenn es selten mal irgendwie. Das Reich, würd ich sagen. Oder die Welt.«
»Aber diese Welt ist es nicht?«
»Es ist eine Art Paralleldimension, richtig?«
»Ja.«
Fogarty sah Henry an. »Hab ich's nicht gesagt. Wir haben es mit einem Außerirdischen zu tun.«
Henry fragte: »Wie heißt du?«
»Pyrgus«, sagte der Elf. »Pyrgus Malvae.«

Mr Fogarty wollte unbedingt weiter über die Sache mit der Sprache diskutieren. Der Elf seufzte hörbar aus dem kleinen Lautsprecher. »Hören Sie«, sagte er, »die wissenschaftliche Seite davon verstehe ich nicht, aber Tithonus hat gesagt -«
»Wer ist Tithonus? Euer Anführer?«
»Er war mein Lehrer, als ich ein Kind war. Er hat mir erzählt, diese Welt hier ist das Gegenstück zu meiner. Oder meine das Gegenstück zu dieser. Oder sie sind beide das Gegenstück zueinander - läuft alles so ziemlich auf dasselbe hinaus.«
»Was heißt das?«, fragte Henry. »Das Gegenstück zueinander?«
»Sie sind miteinander verbunden«, sagte Pyrgus. »Tithonus meint, es wäre wie träumen; nur dass man seinen Körper nicht zurücklässt. Traumwelten können ziemlich seltsam sein, aber die Sprache versteht man immer, oder?«
Für Henry ergab das keinen Sinn, aber Mr Fogarty schien zufrieden. »Dann bist du von dieser anderen Welt hierher gereist?« 
»Gereist stimmt nicht ganz«, sagte Pyrgus. »Wir nennen es übersetzen. Man geht eigentlich nicht irgendwohin. Man wechselt einfach in einen anderen Seinszustand. Aber es fühlt sich an, als würde man irgendwo hingehen«, fügte er hilfreich hinzu.

»Deine Leute setzen schon seit Jahrhunderten hierher über, nicht?«, fragte Fogarty beiläufig.
»Einige von uns«, sagte Pyrgus. Selbst durch den Lautsprecher klang seine Stimme vorsichtig.
»Du meinst, dass es sich nicht alle leisten können?«, warf Henry ein.
»So was in der Art.« Pyrgus setzte sich anders hin, aber das Mikrofon nahm seine Stimme weiterhin perfekt auf. »Hört mal, ich weiß nicht, wer ihr beiden seid -«
»Ich heiße Henry Atherton«, sagte Henry prompt. Er war zu dem Schluss gekommen, dass er Pyrgus mochte. Der kleine Kerl war gut drauf.
Pyrgus ignorierte ihn: »- aber ich glaube, weitere Fragen werde ich erst beantworten, wenn ihr versprecht, dass ihr mir helft, wieder nach Hause zu kommen.«
»Du kannst nicht in deine Welt zurück kehren?«, fragte Fogarty und runzelte die Stirn.
Pyrgus schwieg.
»Wie können wir dir helfen, wenn du unsere Fragen nicht beantwortest?«
Pyrgus kreuzte die Arme und besah sich die Decke.
Fogarty gab auf. »Schon gut, schon gut, wir werden dir helfen. Aber von nichts kommt nichts.«
»Was wollt ihr - drei Wünsche frei?«
Fogarty sah ihn böse an. »Darüber unterhalten wir uns später. Aber es ist dir ja wohl klar, dass nichts umsonst ist.«
»Woher soll ich wissen, dass ich euch vertrauen kann?«, fragte Pyrgüs misstrauisch.
»Siehst du hier irgendwo jemand anders, der dir helfen könnte?«
Pyrgus starrte ihn finster an.

»Alles klar?«
Pyrgus starrte ihn noch eine ganze Weile an, dann murmelte er etwas, das sich ungefähr anhörte wie: »Schlimmer als mit Brimstone kann es ja nicht mehr kommen.« Lauter sagte er: »Na gut, wie wär's damit? Ihr helft mir und ich werde euch Gold schicken, wenn ich wieder zurück bin.«
»Ha!«
»Ja, was wollen Sie denn?«, fragte Pyrgus ärgerlich. »Was glauben Sie wohl, wie viel Gold ich mit mir herumtrage, bei meiner momentanen Größe?«
Irgendwas an der Art, wie er es sagte, ließ Henry fragen: »Dann hast du nicht immer diese Größe?«
Pyrgus schüttelte den Kopf. »Und diese blöden Flügel hab ich sonst auch nicht.«
»Ich glaube, du erzählst uns besser, was los ist«, sagte Fogarty.

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