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Die Glasfrau und andere merkwürdige
Geschichten
(Leseprobe aus: Die Glasfrau und andere merkwürdige Geschichten,
Erz., Seite 23, 1985, Nagel & Kimche)
Es war einmal ein Mann, der hiess Ernest Charron, und er war vor fünfzig Jahren in diese Stadt gekommen, in der man das zweite e in seinem Vornamen vergass. In den letzten Jahren sagten die Leute, die Ernest noch kannten: "Der scharro macht's nicht mehr lange, dem blättert die Haut von den Knochen, wie das Gebrabbel von seinem Kinn tropft." Aber Ernest dachte nicht daran, es noch kürzer oder länger zu machen - er machte es einfach, fand jedoch auch, dass seine Aussprache nicht so nass sein müsste, wie sie war; daran hatten, vermutete Ernest, einige Zahnärzte, die zum Teil schon tot waren, ihre Schuld. Es war Sonntag, und an Sonntagen stand Ernest zwei Stunden später auf als an Werktagen, das hatte er sich mit den Jahren so angewöhnt, denn auch die "Harmonie", seine Stammbeiz, öffnete sonntags erst um zwei. Ernest kramte ein bisschen in seiner grauen Wohnung herum und band sich eine Krawatte um. Seit zehn Jahren war es dieselbe Krawatte, sie glänzte an einigen Stellen ein bisschen zu schwarz, und an einigen Stellen war sie ein bisschen zu matt, aber für Ernest war es eine Krawatte, und wenn er sie umband, war es Sonntag.
Rezension I Buchbestellung I home II06 LYRIKwelt © Nagel & Kimche