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Sex und Moabit
(Leseprobe aus: Halbnackte Bauarbeiter,
Roman, 2007, Scherz)
Er war mir schon aufgefallen, als ich aus der Haustür auf die
menschenleere Straße trat. Lasziv lehnte er an einem parkenden
Auto in der kalten Mainacht, und ich fragte mich: Was macht so
ein attraktiver junger Mann mitten im Frühling ausgerechnet
vor meiner Haustür? Sollte er nicht bei seiner 18-jährigen süßen
kleinen Freundin sein oder cool in irgendeiner Lounge herum-
hängen, um sich eine zu suchen? Während ich das dachte, hatte
ich plötzlich das Gefühl, er hätte in eben diesem Moment
meine Gedanken gelesen, denn er blickte mich unverwandt an
und verzog den linken Mundwinkel zu einem ganz kleinen
spöttischen Lächeln. Ich fühlte mich ertappt, schämte mich ein
wenig und versuchte mich dafür zu bestrafen, indem ich im
Kopf ausrechnete, wie minderjährig ich damals hätte schwanger
werden müssen, um heute seine Mutter zu sein. Schließlich
konzentrierte ich mich wieder darauf, mich zu erinnern, welche
Soße meine Mitbewohnerin Kirsten auf ihren Döner haben
wollte.
Als ich bei »Sahara« ankam, fiel es mir wieder ein. Gar keine.
Dafür ohne Zwiebeln, ohne Gurken, und Tomaten nur, wenn in
der Mitte der Strunk rausgeschnitten war. Ich kenne niemanden,
der so komplizierte Bestellungen aufgibt wie Kirsten, und normalerweise
weigere ich mich, so was von einem Dönerverkäufer
zu verlangen. Aber schließlich hatte sie den Müll, die leeren
Flaschen und das ganze Altpapier runtergebracht, die Küche
gewischt und das Bad geputzt, während ich an unserem seit
Wochen geplanten WG-Putztag erst um halb vier aufgestanden
war und es dann gerade noch geschafft hatte, die auf dem Wohnzimmertisch
verstreuten DVDs zurück
in die leeren Etuis zu´stecken.
Inzwischen war ich schon wieder auf dem Rückweg, mit
meiner dünnen Plastiktüte voll Döner, Schokolade und lauwarmem
Becks-Bier, und in 10 Minuten fing Golden Girls an.
Von weitem sah ich, dass meine kleine Sexfantasie sich von
seinem Auto gelöst hatte und direkt auf mich zukam. Ich war
froh, dass ich, bevor sich unsere Wege kreuzten, in den Hauseingang
abbiegen konnte. Aber gerade als ich den Schlüssel ins
Schloss steckte, sprach er mich an. Ob ich wisse, wo hier in der
Nhe ein cooler Club sei, und ich antwortete wahrheitsgemäß,
nirgends hier in der Nhe, da müsse er schon nach Mitte fahren.
Wo das denn sei, in welche Richtung er da müsse, er sei nur zu
Besuch in Berlin, er komme grade aus seinem Hotel und wolle
irgendwas erleben und dann kam’s:
»Willst du nicht mitkommen? Mein Wagen steht gleich um
die Ecke in der Tiefgarage. Du könntest ja fr heute Nacht meine
Fremdenführerin sein!«
Genau drei Gedanken schossen mir durch den Kopf:
Eins: Das ist definitiv deine letzte Chance, mit jemandem ins
Bett zu gehen, der unter 40 ist und noch alle Haare auf dem
Kopf hat.
Zwei: Wenn du Glück hast, sparst du dir den Club und ihr
macht’s gleich in der Tiefgarage.
Drei: In sechs Minuten kommt Golden Girls.
Ich stammelte irgendwas von ›Clubs sind eigentlich nicht so
mein Ding, es ist schon spät, ich bin nicht richtig angezogen‹,
und ich hasste mich für jede einzelne Silbe, die ich da ausstotterte.
»Okay, schade«, sagte er. »Ich bin morgen auch noch hier,
vielleicht laufen wir uns ja noch mal über den Weg.«
Er machte ein paar ganz langsame Schritte rückwärts und
winkte verträumt.
Ich wischte mir unauffällig den Sabber vom Mund und drehte
mich wieder zur Haustür. Plötzlich spürte ich seinen Atem an
meinem Hals. Ich ärgerte mich zu Tode, denn zu so einem
Moment gehört natürlich auch ein Duft, und ich war mir sicher,
er trug das atemberaubendste Aftershave, das je eine notgeile
Frau gerochen hat. Aber erbarmungslos kroch die Dönerwolke
aus meiner Tüte an uns hoch und es stank erbärmlich nach Fett,
nach Knoblauch und nach sieben Jahre keinen anständigen Sex
mehr gehabt.
Als ich mich endlich traute, mich zu ihm umzudrehen, stand
vor mir Johnny Depp. Genau dieselben braun-indianischen
Augen, diese lässige Frisur, die sagt, ist mir egal, wie meine Haare
aussehen, solange ich sie schütteln kann, in der Mitte der zum
Reinbeißen muskulöse Hals, drunter eine Jeansjacke und wieder
etwas weiter oben der leicht spöttische, halb geöffnete Mund.
Der Kerl hatte sogar erotische Zähne! Ich konnte die ganze Zeit
an nichts anderes denken, während er hauchte:
»Weißt du was: Ich will überhaupt nicht in einen Club. Ich
will hier bleiben. Bei dir. Ich hab dich gestern vom Hotelzimmer
aus gesehen und heute den ganzen Tag gewartet, bis du rauskommst.«
Ich nahm meine knisternde Imbisstüte in die andere Hand,
wie um Zeit zu schinden, und dachte an meine hungrige Mitbewohnerin,
an einen gemütlichen Abend auf dem Sofa und
daran, dass ich mir seit fnf Tagen die Beine nicht rasiert hatte.
Und dass ich nur noch drei Minuten hatte, bis Golden Girls anfing.
Er streckte mir seine braun gebrannte, von drei makellosen
Adern durchzogene Hand hin und sagte: »Komm.«
Was jetzt geschah, kann ich nur auf die hirnvernebelnde
Wirkung schieben, die der Dönerdunst anscheinend auf meinen
Geist ausübte, oder ich erinnere mich falsch; jedenfalls muss es
eine andere Frau gewesen sein, die ich jetzt sagen hörte:
»Ein andermal gern.«
Wie in Trance durchschritt ich die gläserne Eingangstür und
ging geradeaus in den Aufzug. Dennoch, ich konnte nicht
anders: Ich musste mich noch mal umdrehn.
Er stand immer noch da, traurig, unbeweglich, während die
Aufzugstür sich langsam schloss. Der Döner war kalt, Golden
Girls hatte schon angefangen und ich wusste, wenn ich oben
wäre, würde ich erst mal die Unterhose wechseln und mir dann
eins in die Fresse hauen.
»Hast du an die Tomaten gedacht?«, rief Kirsten mir aus dem
Wohnzimmer entgegen, und ich überlegte kurz, warum ich
eigentlich die Einzige sein sollte, die was aufs Maul kriegt.
»Wegen dem Strunk?«, setzte sie nach.
Ich wackelte blöde mit dem Kopf und äffte: »Wegen dem
Strunk? Wegen dem Strunk?« Halblaut murmelte ich: »Sagst du
das auch im Bett: ›Ich möchte mit dir schlafen, aber ich kann
nicht wegen dem Strunk‹?«
»Was?«, rief Kirsten, »ich versteh kein Wort! Was treibst du
denn so lange im Flur? Das wird doch alles kalt! Komm schnell,
Rose erzählt von St. Olaf !«
Ich stellte meine Schuhe ordentlich ins Regal und hängte
meinen Schal auf. Ich bin ein Kontrollfreak. Ehe nicht alles seine
Ordnung hat, komme ich nicht zur Ruhe .Wobei ich eher sagen
müsste: ehe nicht alles meine Ordnung hat. Es geht mir nicht
um Sauberkeit. Der Boden in meinem Arbeitszimmer hat drei
Ebenen: Die oberste, ungefähr auf Leitzordner-Höhe, besteht
aus Unterlagenstapeln, über die ich grade noch so hinwegsteigen
kann. Dazwischen gibt es auf Normalnull fest eingetretene Wege,
auf denen ich mich von Stapel zu Stapel bewege.
Um die Fußspuren herum erhebt sich eine ca. zweieinhalb
Zentimeter hohe Staubschicht. Ich habe mir in meinem Mikrokosmos
ein ausgeklügeltes System eingerichtet, innerhalb dessen
ich mich sicher fühle oder dessen Sklave ich bin. Das ist eine
Frage der Betrachtung. Ich würde nie einen Unterlagenstapel
schief stehen lassen. Sie sind alle schn parallel zueinander
ausgerichtet. So pfriemle ich im Kleinen vor mich hin und
verliere dabei jegliches Zeitgefühl. Ich kann zum Beispiel nicht
sagen, wie viele Monate seit dem letzten Mal Fensterputzen
vergangen sind, aber mit Sicherheit wäre ich Champion in
dieser Fernsehshow, wo der Kandidat ganz genau beschreiben
muss, was er in welcher Jackentasche hat.
Linke Außentasche:Handy. Und zwar nur das Handy.
Im Winter zusätzlich ein Pckchen Tempo-Taschentücher.
Kein volles Päckchen; das würde die Tasche zu sehr ausbeulen.
Idealerweise drei bis vier Tücher. Das reicht zum Brilleputzen,
wenn man vom Kalten ins Warme kommt, und es sind immer
noch genug übrig, falls man wo auf Toilette geht, und es gibt
kein Klopapier. Wenn ich ein neues Päckchen anbrechen muss,
nehme ich bis auf vier Tücher alle raus; wenn nur noch eins
übrig ist, fülle ich auf.
Keine Bonbons, keine U-Bahnfahrkarten, keine Münzen. Die
könnten das Handy zerkratzen oder verkleben, und beim Herausfingern
der Fahrkarte könnte es mit rausfallen.
Rechte Außentasche: Portemonnaie, Labello, ein Päckchen
Fisherman’s Friend, eine einzeln verpackte Slip-Einlage, ein
Tampon, zwei Kopfschmerztabletten (falls mich jemand um eine
anschnorrt, hab ich immer noch eine für den Notfall) und ein
weiteres Päckchen Tempos, falls die aus der linken Tasche ausgehen.
Ich glaube, die rechte Außentasche meiner Jacke ist der
Grund, warum irgendwann mal jemand das Wort »ausgebeult«
erfunden hat.
Linke Innentasche: mein Schlüsselbund. Jedes Mal, wenn ich
ihn einstecke, mache ich den Reißverschluss sorgfältig zu. Dann
ziehe ich ihn wieder auf, hole den Schlüsselbund raus, um noch
mal zu kontrollieren, ob die Tasche auch wirklich kein Loch hat,
und dann stecke ich die Schlüssel wieder ein und mache den
Reißverschluss zu. Ich habe noch nie einen Schüssel verloren.
Handtaschen benutze ich nicht. Zu unübersichtlich. Zu planlos.
Ich denke, man kann sagen: Spontaneität ist meine Sache
nicht. Und deshalb hatte ich gerade eine Chance auf ein Abenteuer
verpasst, die eine Frau über 35 ungefähr einmal in zehn
Jahren bekommt. Zumindest redete ich mir das ein. Womöglich
passierte anderen Leuten so was andauernd. Die wurden bestimmt
schon nervös, wenn sie mal zwei Monate drauf warten
mussten. Bei mir waren es jetzt auf den Tag genau zwei Jahre.
Heute war »Tag der Arbeit«, und seit ich wach war, dachte
ich dauernd: ›Heraus zum revolutionären 1. Mai!‹ So schallte es
jedes Jahr durch Kreuzberg, als ich mich da noch rumtrieb. Vor
zwei Jahren war ich nach einer Walpurgisnacht-Party im Bett
von Kai gelandet. Ich erinnerte mich, wie er, als er keine Kondome
fand, gesagt hatte: »Es wird schon nichts passieren«, und
damit sollte er Recht behalten. Viel war’s wirklich nicht. Hinterher
hatte er gefragt: »Bist du eben gekommen?«, und ich hatte
geantwortet: »Nö, ich war schon die ganze Zeit hier«, und er:
»Nein, ich meine, ob es dir Spaß gemacht hat«, und ich: »Ach,
hatten wir grade Sex? Hättst ja mal was sagen können.« Darauf-
hin hatte Kai sich wütend umgedreht und gesagt: »Komikerin.«
Und ich: »Auf Männer ohne Humor ist doch geschissen.« Danach
haben wir uns nie wieder gesehen, und eine Zeit lang nahm
ich nur noch Reiseangebote nach Kairo, die Kaimauern der Spree
und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wahr. Dann beschloss
ich, dass mein nächster verunglückter One-Night-Stand unbedingt
Thorsten heißen muss, weil das in keinem deutschen Wort
vorkommt.
So weit war es dann nicht mehr gekommen. Die Männer, die
für eine Affäre in Frage gekommen wären, verschwanden nach
und nach hinter den schwangeren Bäuchen ihrer Freundinnen,
und ich glaube, ich war die Einzige in meinem schwindenden
Bekanntenkreis, die nie eine Beziehung hatte, die länger als ein
Jahr ging. Ich hielt das auch nicht für nötig.
Im Moment fand ich viel nerviger, dass Kirstens Klamotten
schon wieder im Flur auf dem Boden lagen. Kirsten ließ, wenn
sie nach Hause kam, immer alles so liegen, wie es ihr vom Leib
purzelte. Ihre Schuhe lagen dahingeschleudert in der Ecke und
zeigten traurig in verschiedene Richtungen. Eben latscht sie noch
durch Hundescheiße, und dann stellt sie die dreckige Sohle auf
den Schnürsenkel, den sie später zum Zubinden wieder mit den
Händen anfassen muss. Ich hängte Kirstens Jacke auf, so gut es
eben ging. Der Aufhänger am Kragen war schon seit Monaten
linksseitig abgerissen. Dann rollte ich die Schnürsenkel ihrer
Schnürstiefel zusammen, steckte sie in den Schaft und stellte die
Stiefel parallel unter die Garderobe.
Als ich endlich auf dem Sofa saß, den Ayran eingeschenkt und
meinen Döner ausgepackt hatte, war Werbepause.
Kirsten mäkelte heute ausnahmsweise nicht an ihrem Essen
rum, sondern manschte mit vollem Mund: »Denk dran, dass
wir morgen bei Millie zum Brunch eingeladen sind«, und ich
ächzte: »Och, nee, ich hab kein Bock, mir deswegen ’n Wecker zu
stellen.«
Millie war eine so genannte Neuberlinerin. Ich finde den
Ausdruck unpassend, weil er so klingt wie Neureiche. So, als
hätte sie gerade ein Vermögen gewonnen, nur weil sie nach
Berlin gezogen ist. Millie, die eigentlich Kamilla heißt, aber
meint, dass Millie weniger antiquiert klingt, hat vorher in Köln
gewohnt. Früher haben alle, die in so genannten Kreativberufen
arbeiten, sich in Köln wichtig gemacht, und jetzt kommen alle
diese wichtigen Leute hierher, verteuern die Mieten und rennen
mit Coffee-to-go-Bechern durch die ehemaligen Ostbezirke. Seit
ich vor siebzehn Jahren nach Berlin gezogen bin, habe ich nie in
einem der angesagten Bezirke gewohnt. Zum Teil, weil ich mir
die Mieten nicht leisten kann, und zum Teil, weil ich den Arsch
nicht hochkriege. Deswegen bin ich jetzt neidisch auf Leute wie
Millie, die, kaum dass sie nach Berlin gezogen sind, gleich im
Mittelpunkt der Szene stehen. Aber ich schäme mich dafür.
Ehrlich. Ich stelle mich jeden Morgen vor den Spiegel und sage
dreimal:
«Ich will keine miesepetrige Altberlinerin werden!
Ich will keine miesepetrige Altberlinerin werden!
Ich will keine miesepetrige Altberlinerin werden!«
Kirsten war nicht in gnädiger Stimmung und sagte: »Nee, nee,
nee; du hast es versprochen. Ich geh da nicht alleine hin. Du
kommst mit. Punkt.«
Ich wurde bockig: »Meinst du, wenn du alles dreimal wiederholst
und am Ende ›Punkt‹ sagst, dann ist das Gesetz, oder was?«
»Das ist gar nicht die Frage. Darum geht’s nicht. Völlig anderes
Thema. Du willst nur wieder ablenken.«
»Da! Du hast es schon wieder gemacht!«
»Du auch. Immer wenn du dich in die Ecke gedrängt fühlst,
fängst du an, irgendein albernes Nebenthema anzusprechen.«
»Aber du machst es wirklich! Ist dir noch nie aufgefallen, dass
du immer deine Argumente einfach anders formuliert noch mal
anbringst, obwohl der Inhalt derselbe ist? Nur weil du deinen
Willen durchdrücken willst?«
»Komm, jetzt ist aber gut. Millie ist deine Freundin ...«
»Millie ist nicht meine Freundin«, unterbrach ich.
»...dann eben Bekannte.«
»Allenfalls entfernte Kollegin.«
»Von mir aus. Auf jeden Fall hat sie dich eingeladen, und du
hast gemeint, aus Höflichkeit hingehen zu müssen. Und dann
hast du mich bequatscht, dass ich mitkomme, weil sonst niemand
Zeit hatte. Kommt überhaupt nicht in Frage, dass du mich
jetzt hängen lässt.«
Sie biss von ihrem Döner ab und angelte mit der Zunge nach
einem Stück Salat, das ihr aus dem Mund hing.
Ich nestelte am Sofakissen herum.
»Und wenn wir beide nicht hingehen?«
»Das ist doch unfair«, antwortete sie kauend. »Wir haben zugesagt.
Die Frau hat Essen eingekauft. Was ist, wenn da nur
sieben Leute eingeladen sind und die Hälfte nicht kommt?«
»Vielleicht kommen aber auch 20 Leute und es fällt gar nicht
auf, dass wir nicht da sind.«
Kirsten pulte ein fettiges Stück Fleisch aus dem Fladenbrot
und steckte es sich in den Mund. Dabei sah sie mich mit ihrem
»Jetzt-werd-nicht-kindisch«-Blick an und aß schweigend weiter.
»Was?«, fragte ich unschuldig, »du kennst Millie! Die hat doch
Hunderte von Bekanntschaften, weil sie sich überall einschleimt!
Und jedem erzählt, wie toll er ist. Deswegen mögen sie auch
alle.«
»Wenn du sie nicht leiden kannst, wieso bist du dann mit ihr
befreundet?« Kirsten wischte sich den Mund ab und griff nach
der Fernbedienung.
»Musst du jetzt mit den fettigen Fingern die Fernbedienung
einsauen?«, motzte ich.
»Du lenkst schon wieder a-hab«, sang sie.
»Ich bin nicht mit Millie befreundet.«
»Aber du lässt dir gern von ihr Honig ums Maul schmieren.«
Kirsten grinste.
»Aber nicht um elf Uhr morgens«, maulte ich.
Die Werbepause war zu Ende, und Kirsten machte den Ton
wieder an.
Wir starrten auf den Fernseher.
Nach einer Weile sagte Kirsten, ohne mich anzusehen: »Du
erreichst sie heut Abend sowieso nicht mehr. Und wenn du dir ’n
Wecker stellen musst, um sie morgen früh anzurufen, dann
können wir auch gleich hinfahren.«
Im Fernseher riefen drei Frauen gleichzeitig: »Halt die Klappe,
Rose!«
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