Reglose Jagd von Nora Bossong, 2007, Zu Klampen

Nora Bossong

Reglose Jagd
(Leseprobe aus: Reglose Jagd, Gedichte, 2007, Zu Klampen)

Die Ställe hangabwärts, es heißt, den Hasen 
habe ein Mader geholt, ein Fuchs, niemand 
ist sicher, man lebt hier selten
des Nachts. Das Haus zu groß
für ein Haus, die Menschen zu reich, 
nicht aus meiner Zeit zu sein. Dennoch gehen wir
auf die Jagd gemeinsam, durch die verwachsenen 
Ränder des Familienerbes, kein Tier 
knackt das Unterholz, kein Kadaver 
legt seinen Geruch wie ein spukender Ahne
an die Grenze des Grundstücks. Ich glaube, alles
hält die Terrasse verborgen, niemand
folgt mir nach, wie sollten sie auch, meine Tage
liegen anderswo. Nur die Seeadler auf den Pfosten
lassen mich nicht aus dem Blick, ich fühle
ihre gefeilten Augen mir in den Nacken starren,
bis ich stürze, doch das ist unwesentlich, nur
eine kurzfristige Veränderung des alten Gebäudes.

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