VerBALrouLADEN von Peter Borjans-Heuser, 2010, Schardt-Verlag

Peter Borjans-Heuser

Jerusaköln
(Die Unwahrheit über die Kreuzzüge)
(Leseprobe aus: VerBALrouLADEN, Gedichte, 2010, Schardt-Verlag).

Als die Kreuzesritter starten,
fehlen ihnen Straßenkarten.
Und sie haben zweifelsfrei
nicht mal GPS dabei...

...was die Ritter nicht berührt:
Gottfried wird von Gott geführt!
Er bringt Gottfried schon zum Ziele.
Kreuz und quer ist Gottes Wille.

Plötzlich ist da eine Stadt,
die bereits erfahren hat,
dass die schlimmsten, nämlich frommen,
Rittermarodeure kommen.

Deshalb hat man mit Bedacht
schon das Stadttor zugemacht.
Gottfried hält den Kreuzzug an
und schickt seinen besten Mann.

007, undercover,
zu belauschen das Palaver
jener örtlichen Behörden,
die sich dort besprechen werden.

Dem Agenten flugs gelingt,
dass er gute Nachricht bringt:
"Elf Vertreter sind im Rate,
der grad eine Sitzung hatte.

Bei der großen Zecherei
war auch Publikum dabei.
Hierzu ziehn sich Frau und Mann
ganz verrückte Sachen an:

Narrenkappe, Federbusch...
Jeder Rede folgt ein Tusch.
Eine komisch fremde Sache!
Doch das Tollste ist die Sprache!

Kauderwelsch. Ich hab's notiert,
während ich sie observiert:
"Lü, wo upde schäl Sik ston,
sulle schleunischst widder jon!"

"Furchtbar!" ruft Herr Gottfried und:
"Das kommt nicht aus Christenmund!
Das muss Muselmanisch sein!
Sind am Jordan, nicht am Rhein!

Stehen vor Jerusalem!
Hat da jemand ein Problem?
Plünderung ist streng erlaubt!
Gott will's, und dann wird geglaubt!"

Brünstig aus dem Ritterchor
rauscht zum Himmelszelt empor,
voll mit frommem Tatendrang,
ein TE DEUM-Dankgesang.

Erst der Dank, sodann die Tat!
"Stürmen wir die heilge Stadt!
Stoppt das Bauen von Latrinen!
Füllt damit die Wurfmaschinen!"

Was jetzt auf den Städter regnet,
ist ihm so noch nie begegnet.
Etwas wie "Kamelle!" klingt
leise rüber. Und man singt!

Keiner kann den Text verstehn:
"... kanns dann nit eraus em Rähn."
Eine Stadt mit viel Humor!
Plötzlich öffnet sich das Tor.

Kreuzesritter sind verstört.
Schreien ("Zoch kütt!") wird gehört.
Klappe runter, schwer maskiert
sind sie dann hineinmarschiert.

Sind die Städter bei Verstand?
Schunkeln laut am Straßenrand,
wo man schmale Gläser bringt,
woraus hier der Städter trinkt.

Mit dem hellen Gerstensaft
locken sie die Ritterschaft.
Die schiebt die Visiere hoch.
Mancher säuft gleich wie ein Loch.

Bald sind Ritter abgefüllt
und der Kreuzzug schunkelt wild.
Sind die Kreuzesritter knülle,
ist auch dieses Gottes Wille!

Jerusalem? Ein andermal!
Alaaf dem Kölner Karneval!

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