Petronius
(Leseprobe aus: Amuleto, Roman, 2002, Kunstmann - Übertragung
Heinrich
von Berenberg)
1
Das hier wird eine echte Horrorgeschichte. Eine Verbrechergeschichte wird das, ein Ding aus der schwarzen Serie und – eine Horrorgeschichte. Aber es wird gar nicht danach klingen. Aus dem einfachen Grund, weil ich hier erzähle. Ich bin es, die spricht, und deshalb hört sich das alles ganz anders an. Nur, eigentlich – ja, eigentlich ist es eben die Geschichte eines furchtbaren Verbrechens.
Alle Mexikaner sind meine Freunde. Oder sagen wir mal: Ich bin die Mutter der mexikanischen Poesie, aber nein, lieber nicht. Ich kenne alle Dichter, und alle Dichter kennen mich. Könnte man sagen. Es könnte heißen: Ich bin die Mutter und verdammt noch mal, hier und auf dem ganzen Kontinent bläst seit Jahrhunderten Zephir auf eine Weise die Backen auf, daß es einen graust. Aber sagen wir lieber: Ich habe Arturito Belano kennengelernt, als er siebzehn war, ein schüchternes Kind, das Theaterstücke schrieb und Gedichte und keine Ahnung vom Trinken hatte, aber das wäre irgendwie überflüssig, und mir haben sie beigebracht (mit der Peitsche, was sage ich, mit der Eisenstange), daß schon genug überflüssiges Zeug existiert und man sich an das halten soll, worum es geht.
Meinen Namen darf ich allerdings verraten
Ich heiße Auxilio Lacouture und bin aus Uruguay, aus Montevideo, aber wenn mir die Hitze zu Kopfe steigt, weil mich das Gefühl von Fremdheit wieder einmal überwältigt, dann gebe ich mich als Wilde vom Rio de la Plata aus, läuft mehr oder weniger auf das gleiche hinaus, ist aber nicht das gleiche, und das haut die Mexikaner immer wieder um, und so auch die Lateinamerikaner.
(...)
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