Zechers Rat
Mein lieber Sohn, bezech dich nie
allein,
Lass einsam dich auf keine Bowle ein!
Die Götterlust, die mächtig dich erfasst,
Wenn du den Zaubertrank erst in dir hast -
Wie willst du, sag mir, würdig sie verwerten,
Fehlt' s dir an gleichgestimmten Zechgefährten?
Mit Engelsflügeln fühlst du dich beglückt.
Sag es der Welt: - Sie hält dich für verrückt!
Die schnöde Welt - dass sie der Henker hole! -
Trank ja nicht mit von deiner Götterbowle -
Sie sitzt und kaut und schlingt, indes du fliegst
Und jubelnd dich in Himmelslüften wiegst!
Du fliegst - zu Füssen dir das Weltenall!
Der Erde Glanz und Schimmer - Rauch und Schall!
Freundschaft und Liebe, alles Grosse, Schöne
Umklingt dich, aufgelöst in Sphärentöne -
O Götterlust! und doch - o Herzeleid:
Einsam, allein - bei all der Seligkeit!
Drum, lieber Sohn, bezech dich nie allein:
Lad' einen dir, lad zwei und drei dir ein.
Die Götterlust, die mächtig dich erfasst,
Wenn du den Zaubertrank erst in dir hast -
Du kannst sie, glaub mir, würdig nie verwerten
Fehlt' s dir an gleichgestimmten Zechgefährten!
Rezension I Buchbestellung III04 © LYRIKwelt