Anflug eines
Gewitters
(Leseprobe aus: Seh-Gänge, Gedichte, 2002, Edition Das
fröhliche Wohnzimmer)
Am Horizont entlang getastet
Fluglinien überquert
Verzerrung ausgesetzt
mit spitzem Pinsel nach Realität geworfen,
sie zerkratzt
Pigmente Weiß zerstört
vergrößert Grenzlinien und Wellenschwingen
Und als Fluggeschoss fällt eine kleine Feder aus dem Auge in das alles Hingedeutete
Ölflecken, Weiße, immer wieder speit der
Horizont
die Fläche deckt den Möwenschrei
Auf halber Höhe steigt dünnes Papier
frei nach Ummalung Seidenraupentanzbemalung
- eine Verspinnung –
als schwebte mit ein fremder Vogel, gegenwindgesetzt
die Luftflut, Peitschenhieb knallt gegen sein Gefieder,
unten bricht einer zusammen, eine Ader berstet.
Im weißen Sand
von Schreien übertönt
wo Kinder Seegras brechen, Drachen flicken
kommt über diesem Kopf
ein dunkler Ton am Kopfdamm unaufhörlich an
schwemmt eine Wolkenladung den Horizont hinunter
Dünung an
Ein grauer Angstberg wie in einem Schauermonat im Zenit,
mein Blick dient einem Todesstrahl
bricht in Erschrecken wieder zu
es grollt,
alles ist weiß,
und von Reizen überlagert, Schneegras zugedeckt,
Wind leckt das Salz aus Augen
so als wären Schmerzensschreie gegen den Zenit vernommen,
als sähe man die Pfeile aus dem Himmel blitzen.
Ein Tropfen aus dem Wolkentreibholz flieht
die Gischt spritzt,
nichts greift danach, ob mein Kopf noch ist
in Hirn- und Landkarten reifen die Linien aus
aus allen Kriegen stürzen die Geschosse auf die
Grenzen zu
die Feder zieht die Sinne mit.
Ich tanze und sie stürzt in Weiße.
Rezension I Buchbestellung I home IV04 LYRIKwelt © M.B.