Thomas Böhme

Drei Züge

Ein Zug, dem die Musik ausgegangen ist,
einer, der sich auf den Flughäfen rumtreibt:
So groß ist seine Sehnsucht nach rhythmischem Leichtmetall,
daß er sich zwischen den Riesenlibellen hindurchschlängelt
wie eine Gruppe verängstigter Pfadfinder,
die sich an Händen hält um nicht verlorenzugehen.

Ein Zug, erfüllt von den Dampfsignalen der Kindheit,
einer, der sich gern in die Überseehäfen verirrt:
Immer wird er dem Nebelhorn folgen,
verzückt von dem grellen Weiß all der Luxusliner,
und hat er schließlich die Mole durchstoßen,
kühlt ihm das Fischkonzert das erhitzte Gemüt.

Ein Zug, der sich ganz der Stille verschrieben hat,
wie er sich vorwärts schiebt auf bewachsenen Gleisen
und weiter über die Feldwege, Trampelpfade und Äcker:
Winkt mit dem Feuerwimpel,
winkt den Scheunen, Windrädern, Vogelwarten,
und niemand, wirklich niemand winkt ihm zurück.

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