Der einzige funktionierende Autorenverband? von Friedrich W. Block, 2010, Euregioverlag

Friedrich W. Block

Der einzige funktionierende Atorenverband?
(Leseprobe aus: Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner "Der einzige funktionierende Autorenverband", 2007, Euregioverlag, hrsg. von Friedrich W. Block).).

Der einzige funktionierende Autorenverband?
Zur Vermittlung von Liebe, Kunst und Leben

I. Eine Geschichte

Das schreibende Paar Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner hat etwa 30 Jahre zusammen in Kassel gelebt und gewirkt, eine Gemeinschaft, die die beiden P.E.N.- und VSMitglieder1 gern augenzwinkernd als den „einzigen funktionierenden Autorenverband“ bezeichneten. Damit sind wir bei Thema und Titel dieses Buches wie auch dieses Beitrags.

Warum der Titel hier mit einem Fragezeichen versehen ist, darauf wird zurückzukommen sein.

Zunächst sei eine Geschichte erzählt, wie sie ähnlich auch die Besucher vernehmen, die von nah und fern in die Kasseler Hans-Böckler-Straße kommen, um das „Dichterhaus Brückner-Kühner“, d. h. das Wohnhaus der beiden Schriftsteller zu besuchen:

Im Spätsommer 1954 fand auf der Godesburg bei Bonn eine Schriftstellertagung statt, bei der Verlage jüngere Autoren mit ihren mehr oder weniger frischen Romanen präsentierten. Heinrich Böll las da z. B. aus Und sagte kein einziges Wort, es las Otto Heinrich Kühner aus seinem 1953 erschienenen Roman Nikolskoje und ebenso Christine Brückner aus ihrem preisgekrönten Erstling Ehe die Spuren verwehen. Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner sind beide Jahrgang 1921, er am 10. März geboren, sie am 10. Dezember, beide jeweils als jüngste Kinder in einem protestantischen Pfarrhaus. Nach der Schulzeit sind beide bis zum Kriegsende kriegsdienstverpflichtet. Christine Brückner lebt 1945 in Marburg, wo sie zu studieren beginnt, wenig später die Mensa Academica leitet und bei dem Kunsthistoriker Richard Hamann arbeitet. Kühner studiert in Heidelberg, schreibt sich aber auch in Marburg ein.

Doch lernen sie sich dort nicht kennen; das geschieht erst auf der erwähnten Schriftstellertagung. Da ist Kühner in festen Händen und schon einige Jahre beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart als Hörspieldramaturg und -cheflektor. Einige seiner eigenen Hörspiele, insbesondere das erste aus dem Jahr 1950, Die Übungspatrone, werden sehr erfolgreich gesendet. Auch Christine Brückner ist verheiratet und hat über Studium, Bibliothekarsexamen und Redaktionsarbeit zum Schreiben gefunden. Der erwähnte Roman Ehe die Spuren verwehen schaffte den ersten Preis in einem Wettbewerb des Bertelsmannverlages und wurde in den nächsten Jahren gleich ein Bestseller mit einer Auflage von über einer halben Million: die existentielle Absicherung der freien Schriftstellerei. Kühners Roman Nikolskoje ist wirtschaftlich nicht annähernd so erfolgreich, aber immerhin: Im Jahr zuvor hatte er in einem gleichartigen Wettbewerb doch auch den 3. Platz erreicht. Er bekam zwar kein Preisgeld, zumindest aber einen Autorenvertrag.

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