Malindi
(Leseprobe aus: Malindi, Roman, 2008, Verlagsbuchhandlung
Liebeskind - Übertragung Michael Kleeberg).
Weihnachten 1976 in Muizenberg,
Kapstadt. Die Mittagssonne brennt herunter. Die Luft riecht nach
Kokosnuss-Sonnenöl und gegrillten Spareribs. Rauchwolken steigen auf zu den
krächzenden, schreienden Möwen am Himmel. Auf der von Reifen festgewalzten Erde
zwischen der Asphaltstraße und dem Sunrise-Strand, spielen wir Männer und Jungs
der Familie barfuss Kricket. Die Erde unter mir ist glühend heiß, und ich wippe
von den Zehenspitzen auf die Fersen und wieder zurück.
Mein Vater macht den Werfer. Er reibt den Lederball an seinen Bermudas, damit er
beim Flug einen Drall bekommt. Er liebt Kricket und hegt die große Hoffnung,
dass einer seiner Jungs, Marsden oder ich, eines Tages für die Provinzauswahl
spielen wird.
Ich postiere mich auf der entgegengesetzten Seite des Parkplatzes als Fänger.
Ein Strandsegler gleitet zwischen mir und der als Wicket dienenden Tomatenkiste
hindurch und riskiert es, den knochenharten Ball abzukriegen.
Der massige Oom Jan, mein Winzer-Onkel von hinter dem Simonsberg, wendet
einhändig die Rippchen auf dem Grill und leckt sich dann die fettigen Finger ab.
In der anderen Hand hält er eine Dose Lion-Lager. Wenn die Glut zu hoch
aufflammt, löscht er sie mit einem Schuss Bier.
Die Frauen liegen auf Badetüchern im Sand, beschattet von Sonnenschirmen, an
denen der Wind zerrt. Die Mädchen hüpfen über die auslaufenden Wellen oder
lassen sich auf Luftmatratzen treiben ...
Mein Zwillingsbruder Marsden liegt bei meiner Mutter im Schatten und zeichnet.
Manchmal nennt meine Mutter ihn ihren kleinen Picasso. Er hat für seine gesamte
High School-Zeit ein Kunststipendium, während für mich das Schulgeld
zusammengekratzt werden muss.
Meine Mutter nennt mich Dee, obwohl ich eigentlich Douglas heiße. Douglas James
Thomas.
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