Wir ohne Wal von Birgit Birnbacher, 2015, Jung und JungBirgit Birnbacher

Wir ohne Wal
(Zitat aus: Wir ohne Wal, Roman, 2015, Jung und Jung).

1. Vulgäres mit Edding (Anna)

Bei uns ist ja der Himmel fast immer weiß und der Verkehr gleichmäßig laut. Er ist einfach da und irgendwann nicht mehr, und obwohl er ein Wal über einer Stadt ist, bemerkt man ihn kaum.
Wenn wir Superhelden wären, wärst du Robin und ich Batman, sag ich zur Begrüßung, als du dich zu mir ins Auto setzt. Robin ist doch überhaupt keiner, sagst du, und ich sag, eben, und bevor du mich umarmen kannst und ich merke, dass du es nicht tust, starte ich den Wagen. Hier stinkt es, sagst du, das ist, modert hier was, ist das feucht am Boden? Ich gebe Gas und du sagst, schief ist das hier. Der Wagen, der ist doch schief, die eine Seite hängt, und ich sag, das ist die Straße, die bauen was, reißen alles auf. Du riechst nach Duftladen und Kinderkaugummi, ich unterdrücke einen Hustenreiz. Es ist wie immer zwischen uns: Zwillinge sind wir nicht, das sieht man gleich. Du schmal und hell und zart, ich Kunst, du Vetmed. Veterinärmedizin, ob das dein Ernst ist, hab ich dich damals gefragt, und schnarch, hab ich gesagt. Sag schon, was ist? Du wolltest mir was sagen, dich treffen, am besten im L1, das L1 kennst du noch. Das L1, hab ich gedacht, Feierabenddudelmusik und Laptoptaschen unterm Tisch, aber gesagt hab ich nichts, nur, gut, dann L1.

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