KOLLMITZGRABEN, OKTOBER
(Aus "Thaya", sprudelnde Texte aus
12 Monaten über 78 Kilometer, mit Photos von Andreas Ortag, Verlag Edition
Doppelpunkt, 2002 Wien).
1
im toten end of the woodquarter
where the river freezes and the sommer ends
the wind hits heavy on the borderline
remember me wo die Welt aufhört
2
das Wirtshaus ist schon längst geschlossen
auf der Kegelbahn sind Landmaschinen abgestellt
im Glockenturm schlägt keine Glocke mehr
Befestigt ist der Partezettel
Sind längst entschwunden Gottvater, Sohn, der Heilige Geist
am Ufer vertaut war das letzte Boot
im Handgepäck das Brevier mit dem letzten Segen
Sie suchen ihr Heil im besseren Gefilde
Allerdings:
fließt hier die Thaya in die Breite
wenn scharf das Tal nach Norden dreht
verzweigt sind zwei drei Arme in der Sohle
die Bänke voller Sand verlanden
die Strünke jedes Baumes verholzt
Am Brückenkopf hat Nepomuk
zwei Masken auf sein Haupt gespannt
er starrtet bleich zurück
vom Wind zerzaust vom Eis zerbissen
er blicket mild nach vorn
erleichtert ist die Miene
3
tändelnd hüpfend leicht beschwingt
den Berghang hinauf der Sonne entgegen
kleinwinkelig drängen die Häuser
sich türmend und zugespitzt sanft die Dächer
im Dach die geschrägten Fenster
nutzend die Kraft der Sonne
geschlichtet ist sorgend die Holzschar
zur Zierde räkeln die Weinreben an der Wand
nicht Fichten die Buchen säumen den Berghang hinauf
zum Stein aus Granit da ruhet der Pensionist
und blinzelt ins grelle gesättigte Licht seines Herbstes
4
trudelnd fließt die Thaya
sprudelnd fließt die Thaya
drängelnd gluckst die Thaya
sie sputet sich
will sie zurechtkommen
sie hat einen Termin
wen will sie treffen
rechnend mit besseren Zeiten
fließt sie in eine bessere Welt
Rezension I Buchbestellung I home III07 LYRIKwelt © Beppo Beyerl