Hotel Kaliningrad
(aus: Erdkunde, Gedichte, 2001, DuMont)
Na komm. Im Nachbarbett verhaken
sich die Finger,
die Wand ist Packpapier, im Dunkeln rieche
ich nach Fisch. Die Tür war offen, angelehnt, als
ich den langen Flur herunterkam. Nun komm, komm
schneller. Sie lachten nicht, ich dachte immer,
daß sie lachen, wenn sie im Nachbarzimmer sich
betrachten. Das Bett, die Wäsche ist so grob gemustert,
ich kann darin den nackten Fuß nur schwer
erkennen. Na komm, nicht schlafen, nicht ermüden,
steh. Lang kann es nicht mehr dauern, die Hand ist warm,
das Muster grob, das Fenster Zellophan. Es dauert
nicht mehr lang, dann schiebt der Tabakhändler seinen
Ring der dunklen Nachtgenossin auf den kleinen Zeh.
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