Unendlichkeit in ihrer Hand von Gioconda Belli, 2009, Droemer

Gioconda Belli

Unendlichkeit ihrer Hand
(Leseprobe aus:
Unendlichkeit in ihrer Hand, Roman, 2009, Droemer Knaur - Übertragung Elisabeth Müller).

KAPITEL 6

Adam schlief zum zweiten Mal in seinem

Leben. Im Traum sah er eine riesige Kugel

mit unzähligen Stacheln. Die Stacheln

waren Bäume, aufrecht gewachsen ragten sie in

alle Richtungen. Jeder bekam eine Taille, einen

Torso und den Kopf eines Mannes oder einer Frau.

All diese Wesen, halb Baum, halb Mensch, hielten

an ihren emporgereckten Händen weitere Männer

und Frauen, es waren die Kronen eines riesigen

menschlichen Waldes. Einer nach dem anderen

wurden die Bäume gefällt, sie krachten um und

zerbrachen unter einem anhaltenden wehen Stöhnen.

Adam flog über sie hinweg, während sie mit

hilfesuchenden Blicken zu ihm aufschauten und

das verwirrte Schreckensgeschrei über dieses

jähe Ende in seinem Herzen widerhallte. Adam

flog weiter, außerstande, den kreisenden Flug zu

unterbrechen, außerstande auch, dem Poltern der

sterbenden Bäume Einhalt zu gebieten.

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