Artur Becker

Aus der Altstadt

Die Altstadt hat keine sichtbaren Übergänge 
Sie frisst dich als Dessert. 

Allabendlich spielt ein Flötist ohne Nachnamen 
Vor den Biergläsern 
Und den betrunkenen Geranien die wachsen 
Auf den Pflastersteinen. 

Machen bunt was gestern noch grau taumelte 
Machen laut was still 
An den Häusermauern starb und nie wieder zurückkehrte.

Die Windkerzen auf den Tischen 
Die schwarzen Röcke die weißen Blusen.

Die verlängerten Beine die nackten Schuhe und Hände 
Wie sie bedienen den runden Platz. 

Ein guter Fang heute viele Lippen und ein blaues Make-up 
Die ersten Anzeichen von Küssen. 

Und morgen ein Essen in koscherem Kazimierz 
Mit den Juden aus Übersee.

Im Restaurant Ariel Nacht für Nacht im ewigen Mond 
Über seine Nachricht rätseln wir nicht lang  
Der Sommer steht breitbeinig im warmen Juninebel. 

Und lacht uns zu 
Aus der Altstadt.

Rezension I Buchbestellung II05 LYRIKwelt © Artur Becker