Ich bin sow enig von hier wie von dort von Brankica Becejac, 2006, Edition Nautilus

Brankica Becejac

Ich bin so wenig von hier wie von dort
(Leseprobe aus: Ich bin so wenig von hier wie von dort, Leben und Werk, 2006, Edition Nautilus)

»Du sprichst aber komisch!«,
 
rufen die lieben Kleinen und wittern die Künstlichkeit der Rede, die sich nicht im freien Spiel der Kräfte, sondern in auszehrenden
Lesenächten einstellt.
 
Die anderen sind schlechter dran. Sie haben das eine vergessen und das andere nicht gelernt. Ich spreche alles! Auch ohne Edikt.
 
»Wie lange sind Sie schon in Deutschland? Wann gehen Sie wieder zurück? Sie haben sicher Heimweh!« Sehr lange (zu lange); Nie mehr (das ist keine mögliche Antwort); NEIN (wie kalt doch diese intellektuellen Frauen sind).
 
1979: Die Eltern suchen immer noch eine neue Wohnung. Das Kind erledigt die Telefonate mit den Vermietern. Wenn die Vermieter dann den Vater des Kindes vor sich haben, schlagen sie beiden (auch dem blonden Kind) die Tür in die Kanackenfresse. Das Kind weint tagelang.
 
Bis 1982 hörte man es noch. Im Hochsommer des gleichen Jahres verschwand es für immer. Danach: »Man hört Ihnen das fast gar nicht an, daß Sie woanders zu Hause sind.«
 
1999: Die Behördenangestellte sieht über alle Schwarzhaarigen hinweg zu mir hin. Sie lächelt, auch wenn ich keinen Termin habe: »Ihr Name?« Ihr Gesicht hört auf. Es erlischt. Sie ist, obwohl eine erfahrene Kraft, einem Betrug aufgesessen. Denn ich bin innerlich behaart.

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