Einsamkeit tropft in die Vorgärten
Das Glück anlegen in Raten, den Index der Erleichterung auf Rekordebenen jagen, ein sechsstelliges Wohlstandskonto anlegen für die Zukunft, sich anlehnen an die Sicherheit - das waren die Leuchttürme seines Lebens.
Ganz abgesehen davon war es ganz angesehen, in das Später zu investieren. Doch dann legte sein Glück die Beine hoch. Die Zeit wechselte auf die Überholspur. Das Leben machte kehrt am Gipfelpunkt seiner Spirale.
Der Reichtum ist jetzt sein Begleiter, und die Macht lauert darauf, in seine Dienste zu treten. Illusionen taumeln um die Festung seines Wollens.
Einsamkeit tropft in die Vorgärten, der Pool füllt sich mit Sehnsucht. Ohrenbetäubend feuert die Stille eine volle Breitseite Angst gegen seine Gedanken. Die Armeen des Glaubens desertieren unter dem Widerhall
des Augenblicks, der sadistisch an den Minuten zieht. Und dann zerbrennen die Antworten im Feuerhagel der Fragen, faltet der Mund schwere Lieder und ruft nach den Geistern einer verlorenen Zeit.
(aus: Simone träumt, 2001, Roderer-Verlag)
Rezension IV01© LYRIKwelt