Verglüht von Catrin Barnsteiner, 2004, SchrimerGrafVerlag

Catrin Barnsteiner

Das Glück, dreckig
(aus: Verglüht, Roman, 2004, SchirmerGraf)

Eines Abends gleitet eine Frau im grünen Abendkleid
aus dem Arm ihres Mannes, um auf einem roten Teppich
niederzuknien. Vor einem großen, sehr schmutzigen
Schuhabdruck.
Mit dem Zeigefinger nähert sie sich in zärtlichen,
immer enger werdenden Kreisen dem Schmutz, bis
sich Dreckkrumen sammeln unter ihren roten Fingernägeln.
Ihr Mann tritt einen Schritt zur Seite. Will
nicht stören oder nichts damit zu tun haben, weiß es
selbst nicht.
Hinter den beiden reihen sich Paare aneinander.
Der Mann streckt die Hand aus, um seine Frau
sanft am Arm zu nehmen, als sie plötzlich aufschaut:
"Schau ihn dir an", flüstert sie.
Der Mann zögert, rafft die Hose über den Knien,
geht halb in die Knie und wieder hoch, schaut sich
um und dann auf seine Frau herunter. Seufzt.
Sie neigt den Kopf zur Seite, tupft ein letztes Mal
mit dem Zeigefinger links oben neben den Abdruck
auf den Teppich. Ein Kuß. Sie murmelt: "Wann habe
ich zum letztenmal einen so perfekten Schuhabdruck
gesehen?"
Dann steht sie auf und streicht ihr Kleid glatt. Ihr
Mann dreht sich zu dem Paar hinter ihm um, lächelt
entschuldigend und sagt: "Sie müssen wissen, meine
Frau ist Kriminalkommissarin."

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