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Die Erhebung
(Leseprobe aus:
Die Erhebung, Roman, 2001,
Albatros)
Allein die über dem Ortszentrum schwebende Geruchswolke übermittelte dem Näherkommenden unzweifelhaft die allgemein verständlichen begleitenden Grußbotschaften einer Großveranstaltung.
Goldgelb-bräunlich schimmernde Grillhühner stritten sich erbittert mit üppig im Fett gewälzten Pommes Frites über die ungebrochene Vorherrschaft im olfaktorischen Reich, von der Konditorei zogen zartbittere Schwaden von Kaffee- und Sahneduft, fein durchsetzt vom Aroma einzelner Tortensorten, bis hinüber zum Gasthof ,Krone', sicherten sich die sensorische Lufthoheit.
In der erbarmungslos allerlei molekulare Bestandteile offen legenden Mittagssonne konkurrierten in einem unentschieden hin- und herwogenden Wettstreit Pökelfleisch, Hammelbraten und Kebab-Ausdünstungen mit dem scharfen Flair, das die vereinigten Duftschwadronen der Moststände und Schnapsbuden aufboten. Ein mäßiger Wind begünstigte in dieser alles in allem fair geführten Auseinandersetzung je nach Laune die eine oder andere Seite, ergriff jedoch nie eindeutig Partei. Die geöffnete Tür vom blitzblau renovierten Gasthaus entließ, ohne draußen anzuklopfen, den Bier- und Rauchdunst vergangener Epochen, ganze Generationen von umnebelten, unaufhörlich schwatzenden Trunkenbolden meinte man darin zu erkennen.
Manch Mauerwerk verströmte noch den zarten Hauch der Jugend oder den der plastischen Chirurgie, feuchter Mörtel erzählte da und dort von einer mehr oder minder erfolgreichen kosmetischen Korrektur, während die frischen Holzbretter der eifrig fabrizierten Bühnenpodeste in leiser Anklage auf ihre Herkunft und frühere Heimat verwiesen.
Doch da griffen bereits wieder der Staubzucker vom Apfelstrudel, der Rum in den Punschkrapfen und die Vanillesauce, die den Topfenstrudel beinahe verlassen und sich über ihn hinausheben wollte, erfolgreich in das Wahrnehmungsgeschehen ein, und die aufrührerischen Brathühner bliesen mit der ihnen eigenen Note zur Gegenattacke.
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