Am zweiten
Abend...
Als Ingeborg Bachmann 1952 in Niendorf an
einer Tagung der Gruppe 47, der einflussreichsten deutschsprachigen
Schriftstellergruppe der frühen Nachkriegszeit, teilnahm, notierte sie in ihr
Tagebuch:
„Am zweiten Abend wollte ich
abreisen,
weil ein Gespräch,
dessen Voraussetzungen ich nicht kannte,
mich
plötzlich denken ließ,
ich sei unter deutsche Nazis gefallen“.
Damals war auch Paul Celan in Niendorf, um unter anderem aus seiner Todesfuge zu lesen. Bachmanns Notiz bezieht sich auf die Ignoranz der Gruppe, den Hohn und Spott, mit welchen man auf den Vortrag ihres Freundes reagierte; unerträglich, so die Meinung der Kollegen, sei Celans Pathos, er lese wie Goebbels (Walter Jens), das ganze sei ein Singsang wie in einer Synagoge.
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