Anhalten alle Uhren von W. H. Auden, 2002, Pendo

W. H. Auden

Anhalten alle Uhren,
Telephon abstellen
(Leseprobe aus: Anhalten alle Uhren, Gedichte, 2-sprachig, 2002, Pendo, hrsg. von Hanno Helbig)

Anhalten alle Uhren, Telephon abstellen,
der Hund mit seinem leckeren Knochen soll nicht bellen;
keine Klaviere jetzt; laßt dumpf die Trommel rühren,
den Sarg heraus zu begleiten, die Trauergäste zu führen.

Über unseren Köpfen sollen Flugzeuge kreisen und klagen
und in den Himmel die Botschaft eintragen: Er ist tot.
Den städtischen Tauben legt einen Flor um die weißen Kragen,
die Verkehrspolizisten laßt schwarze Handschuhe tragen.

Es war mein Norden, mein Süden, mein Ost und mein West,
meine Arbeitswoche, mein Sonntagsfest,
mein Mittag, meine Mitternacht, mein Gespräch, mein Gesang;
ich meinte, die Liebe daure ein Leben; das war falsch.

Die Sterne braucht es jetzt nicht: löscht das Licht ihnen allen;
den Mond packt ein und die Sonne laßt fallen;
Gießt den Ozean aus und den Wald reißt ein:
Von jetzt an kann nichts mehr von Gutem sein.

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