Dich zu beschreiben
Der Abend weint. Im Radio läuft
melancholische Popmusik, und ich sitze traurig vor einem neuen Blatt Papier. Du
bist nicht wie Andere, mit denen ich einen Dialog angehe. Du bist ein mir selbst
nur halb bekanntes Monster. Ich weiss, was Du tun wirst. Ich kenne Deine künftigen
Verbrechen. Ich kenne Deine Gedanken und Motive. Ich kenne Deine Opfer. Deine
Taten kann ich minuziös beschreiben.
Wie aber wirst Du Dich ausdrücken, wenn Du endlich die Bühne meiner Geschichte
betrittst? Was sagt die Mörderin, wenn sie vor das Opfer tritt, das Messer in
der linken Hand?
Ich kann Dich beschreiben. Deine glatte, kalte Haut mit feinen Schweissperlen
bedeckt. Die Nervosität, welche sich Deiner bemächtigt, während das Opfer
noch verwirrt einen einzelnen Schritt rückwärts macht. Die Vorfreude, die Du fühlst,
während Du spielerisch das Messer zwischen Deinen Fingern drehst. Schritt um
Schritt. Das feine Lächeln, welches Deine Lippen sanft umspielt. Näher
auf das Opfer zu. Das Opfer, welches Dein Gesicht erkennt - es gibt keinen
Laut von sich. Und die Klinge spiegelt das Licht.
Verzweifelt schliesse ich die Augen. Ich stelle mir Dich noch einmal vor. Die
langen Haare. Den kalten Blick. Die warmen Augen. Das Kleid. Vergiss das
Messer nicht!
Du hebst das Messer. Noch einen Schritt. Und noch einen. Das Opfer
erstarrt. Ein einzelner Hieb - und das Messer steckt tief in der Brust des
sterbenden Körpers. Und während das Opfer Blut hustet, sagst Du freundlich: "Ich
habe es gerne getan."
Es ist geschafft! Ich weiss nun, wie Du sprichst! Ich kenne Dich! Doch was für
ein Kampf das war... Schreiben tut weh.
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