Immer wie immer von Dietlind Antretter, Haymon

Dietlind Antretter

Immer wie immer
(Leseprobe aus: Immer wie immer, Erzählungen, 2005, Haymon)

Er zerknüllte das Papier und begann noch einmal auf einem neuen Blatt zu schreiben, dem ein Buch als Unterlage diente. Er lag ausgestreckt auf dem Bett, und es kam ihm vor, als glitte er auf einem Floß durch Sonnenluft, die sich, wenn er die Augen schloss, zu einem flimmernden Nebelmeer verdichtete, zu einer horizontlosen, sich leise bewegenden Fläche, mit aus dem Nichts auftauchenden unförmigen Klumpen wie Eisschollen.
Von irgendwoher drang ein helles monotones Geräusch in sein Bewusstsein, das er allmählich als das immer lauter anschwellende Surren einer Fliege wahrnahm, die gegen die halbgeöffnete Fensterscheibe knallte, von neuem dagegenraste, und als er schließlich die Augen öffnete und dem engen Radius ihres Fluges folgte, versuchte er sich vorzustellen, wie der Schmerz sich beim wiederholten Anprallen gegen die Wände ihres Gefängnisses ins Unerträgliche steigern musste. Warum gibt sie nicht auf, überlegte er und dachte an die dunklen Räume, in die manchmal der Strahl eines künstlichen, genau berechneten Sonnenlichts fiel und in denen er sich wie in einer Kapsel bewegte und das Gefühl von Wärme auf der Haut vergaß, diese Sehnsucht nach draußen, die er mit einem Mal heftiger empfand als vorhin auf der Probe.
Jeremy erhob sich vom Bett und scheuchte die Fliege zum Fenster hinaus. Sein Blick blieb an der Bretterwand auf der gegenüberliegenden Straßenseite hängen, die das riesige Loch verbarg, in dem ein Haus gestanden hatte und herausgerissen worden war wie ein fauler Zahn. Ein neongrünes Plakat kündigte einen Zirkus an. Daneben klebte das Theaterplakat für seine eigene Inszenierung, das die Silhouette eines Mannes zeigte, der in gekrümmter Haltung mit hochgezogenen Schultern gegen einen eisigen Wind anzukämpfen schien. Jeremy starrte auf das Bild, das sich unmerklich zu bewegen begann, und sah sich selbst auf einmal wie in Zeitlupe dem Mann folgen, der sich irgendwohin schleppte, auf ein Licht zu, das er sich einbildete, einer, der die Welt verloren hatte und überleben wollte um jeden Preis, in dieser Ödnis, im unbegreiflichen Nirgendwo. Den der Sturm niederzuwerfen drohte und der sich mit taumelndem Schritt gegen den Tod stemmte, die eigene Vergangenheit und die Liebe, nicht ahnend und vielleicht nicht wissen wollend, dachte Jeremy, dass sie die einzige Möglichkeit bot zu entkommen.
„Du musst dich nur umdrehen“, murmelte er.
Das Sonnenlicht schien den schwarzen Mann zu verschlucken, während das Zirkusplakat daneben aufleuchtete in grellem Grün.
Bald würden die Herbstnebel den Blick trüben, bald würde er an einem anderen Ort eine neue Geschichte inszenieren. Wusstest du, schrieb Jeremy auf das Blatt, dass es
wenige Happy Ends gibt in meiner Welt, und dann strich er den Satz wieder durch und schaute auf die beiden Wörter, die oben auf der Seite standen und sich nicht verbinden wollten mit anderen Wörtern: Liebste Ilaria… Er war aus
der Übung gekommen. Er hatte schon lange keinen Liebesbrief mehr geschrieben, schon gar nicht seiner eigenen Frau. Er wusste nicht, warum es ihm so schwer fiel, Worte zu
finden für ihre Geschichte, die auf eine beruhigende Weise
über die Jahre selbstverständlich geworden war, und es schien ihm auf einmal, als hätte jede Zeit ihr eigenes Vokabular, das am Beginn der Geschichten ein anderes war als während deren Verlauf, bis dann am bitteren Ende…, aber daran wollte er gar nicht denken.
„Ich sollte weniger Liebesgeschichten inszenieren“, dachte er laut und seufzte. Jede schien ihn fortzuführen von der einzigen, wirklichen. Aber warum, überlegte er, sollte sie die einzige sein?
Ich habe nie von etwas anderem erzählt als von den Missverständnissen der Liebe, den Irrwegen des Begehrens, war in der Zeitung als Überschrift zu einem Interview gestanden, das er gegeben hatte. Es war nichts weiter als ein irgendwann achtlos dahingesagter Satz, der nun wie ein Etikett an ihm klebte. Aber, wählte er nicht immer wieder, absichtlich oder unbewusst, die gleichen Geschichten, lauerte nicht hinter all den erfundenen Menschen, die er auf der Bühne mit Leben umgab und denen er, ein bisschen gottgleich, eine Seele einzuhauchen versuchte, sein eigenes Verlangen, litten sie nicht alle unter dem erdrückenden Übermaß an Liebe oder am zehrenden Mangel? Versteckte sich nicht hinter den Frauen, die er sich ausdachte, seine eigene Neugier, die Befremdung, eine Sehnsucht, Ahnung, Angst und Eifersucht, und verstand er es nicht auf jene unerklärliche Weise, losgelöst von den Irrtümern des eigenen Lebens, ihnen allen auf ihren fiktiven Wegen zu folgen?
„Niemand erzählt von den Frauen wie du“, hatte Irina gesagt.
„Aber in Wirklichkeit weiß ich doch nichts von ihnen“, hatte er geantwortet.
„Eben deshalb“, hatte sie gemeint, „es genügt, sie zu lieben.“
Ilaria, begann er von neuem zu schreiben, ich sage es noch immer so gern ganz leise und mit solchem Genuss, Ilaria, so
ein Name ist ein Privileg, ist Zärtlichkeit und Melodie… Sie war in die Ferne gerückt, und seine Überzeugung, dass Abwesenheit und Distanz die Sehnsucht am Leben hielten, kam ihm plötzlich als Trugschluss vor. Die Telefongespräche waren zum Ritual geworden, das nicht hinwegtäuschte darüber, dass sich die Zeit den Kilometern gleich zwischen ihnen ausdehnte und sperrig wurde und spröde wie die immer gleichen Worte, die sie einander wiederholten. Er dachte daran, wie er nach jeder Inszenierung, wenn er in die schwarzen, bodenlosen Tiefen fiel und die Stimme zu überhören versuchte, die ihm zuflüsterte: „Es war das letzte Mal“, sich einen Weg zurückbahnen musste zu ihr, die ihn geduldig erwartete, aber jedes Mal stand er anderswo, bewegte sich auf einem neuen Terrain und hatte sich verloren an das verführerische Unbekannte, woher sollte er also die Gewissheit nehmen, dass er immer wieder zurückfand zu ihr? Ich liebe dich, schrieb er schnell und strich es wieder durch.
Wenn du hier wärst, begann er noch einmal, hätte ich jetzt eine andere Geschichte an diesem Ort, könnte mein Leben fortsetzen auch außerhalb dieser geschlossenen vier Wände. Kaum trete ich abends aus dem Theater, überfällt mich die Sinnlosigkeit, werde ich zum Niemand in diesen unbekannten Straßen und Hotels, bedeutungslos. Verstehst du, ich habe einfach verlernt, mir selbst überlassen zu sein an diesen fremden Orten, an denen man keine Gefühle, keine Anhaltspunkte und auch keine Sprache außerhalb des Theaters findet. Aber nein, schrieb er weiter, nimm meine schwere Laune nicht zu ernst. Sie würde ins nächste Flugzeug steigen und im Hotel vor seiner Zimmertür stehen mit diesem erwartungsvoll lächelnden, offenen Gesicht, und wie sollte er ihr dann erklären, was sie doch wissen müsste, dass er niemanden und nichts vermisste, wenn er arbeitete.
Ich vermisse dich, aber hast nicht du mir selbst gesagt, du habest begriffen, dass ich niemals an Orte reise, sondern nur in die Geschichten, und dass es keinen Platz darin gebe für dich und uns? Wenn ich jetzt in Florenz wäre, in Wien oder Rom, würde ich unweigerlich denken, wie kann man diese Schönheit allein leben, es täte weh. Aber hier, an diesem hässlichen Ort, noch dazu in der tiefsten Provinz, gibt es nichts zu teilen. Das hilft mir, die Trauer zu ertragen, dass du ferne bist…Warum ich nicht im Theater bin, höre ich dich fragen… Jeremy strich den letzten Satz wieder durch, sie würde sogleich Verdacht schöpfen. Die Probe heute war ein Desaster, die Schauspieler agierten leblos und ohne Emotionen, als hätte dieses Schattenreich, in dem sie sich bewegen, alle infiziert, als wäre der Winter, in dem das Stück spielt, als wären Eis und Kälte ihnen
unter die Haut gekrochen bis ins Blut.
Er hatte an das Licht draußen gedacht, das ihn plötzlich an all die Versäumnisse des Sommers erinnerte, während er Beatrice beobachtete, die ihren Kopf wieder und wieder gegen die Wand des Bühnenbildes schlug. Dumpf und hart war das Geräusch in seinen Körper gefallen, und Irina hatte neben ihm geflüstert: „Du musst sie unterbrechen.“
„Lass nur“, hatte er gesagt und zu Christelle geschaut, die verträumt durch den Raum schwebte, in Wirklichkeit aber ihren Text nicht beherrschte – ihm konnte sie nichts vormachen – und Zeit zu gewinnen versuchte. Marcel hatte
kalt und unbeteiligt seine Worte ins Nirgendwo geschleudert, und Jacques, der ein paar Reihen vor Jeremy im Zuschauerraum saß und auf seinen Auftritt wartete, war eingeschlafen, wie sich an seiner Haltung erkennen ließ.
Du weißt, ich leide dann unter dem Gefühl, es habe mit mir zu tun. Es ist mir nicht gelungen, sie mitzunehmen auf diese Reise in den Winter hinein.
„Wir beenden die Probe für heute“, hatte er plötzlich mit lauter Stimme gerufen und fasziniert beobachtet, wie das
Leben von irgendwoher in diese leidenschaftslosen Gestalten auf der Bühne zurückkehrte. Sie hatten ihn überrascht und verunsichert angesehen und waren an die Rampe gekommen.
„Ich bemühe mich um den Schmerz“, hatte Beatrice empört gesagt, „und du bemerkst es nicht einmal.“
„Ich habe es gehört“, hatte er erwidert, „du mutest dem Bühnenbild einiges zu.“
Jacques, der aufgewacht war, klappte geräuschvoll und mit einem Seufzer der Erleichterung sein Textbuch zu.
„Wir können uns nicht leisten, auf diese Probe zu verzichten“, hatte Marcel gesagt.
„Auf diese ja“, hatte Jeremy geantwortet.
Christelle war wie ein junges Mädchen von der Bühne heruntergesprungen und im Zuschauerraum auf ihn zugeeilt. „Du bist mir doch nicht böse“, sagte sie atemlos.
„Ich habe mich gelangweilt“, sagte er, „wie ihr euch da oben übrigens auch.“
„Ich habe heute Nacht kein Auge zugetan.“
„Du hättest die Zeit zum Textlernen verwenden können.“
„Warum überwindest du nicht deinen Stolz oder deine Prinzipien und lässt mich mit dem Textbuch in der Hand probieren?“
„Weil es uninspirierend ist für mich.“
„Aber ich spiele so, dass…, ich schwöre dir, du bemerkst es gar nicht.“
Marcel stand noch immer auf der Bühne, und sein Blick schweifte über die Stuhlreihen. „Irina kann die Szene noch einmal mit uns durchgehen“, sagte er. Irina hatte ihren Kopf langsam zu Marcel gedreht, sie hatten sich schweigend angesehen, es war nur ein flüchtiger Blick gewesen, aber er war Jeremy nicht entgangen.
„Irina kommt mit mir“, hatte Jeremy geantwortet. Er bemerkte, dass Marcel zögerte, bevor er in die Kulissen verschwand. Als Jeremy und Irina den Zuschauerraum verließen, hatte Christelle sich ihnen in den Weg gestellt. „Es hat mit dem Mond zu tun“, hatte sie gesagt, und ein Leuchten schien ihr Gesicht zu erhellen. „Wie konnte ich es nur vergessen: Heute ist Vollmond…“
Tut mir Leid, Ilaria, jetzt habe ich wieder nur vom Theater geredet. Er hätte ihr gerne mehr von diesem Tag erzählt, der sich plötzlich von den anderen unterschied, etwas zum Stocken und dann zum Stillstand brachte, aber wie ließen sich die kleinen Störungen und Verstimmungen einer Theaterprobe vermitteln, wenn man weit außerhalb eines Kreislaufs stand, der seinem Gesetz folgend immer wieder und immer nur in sich selbst zurückfloss. Die scheinbare Irritation, ein haarfeiner Riss im Gefüge, die winzige Verschiebung, ein nicht gesagtes Wort oder eines zu viel, eine ertappte Geste…, diese beinahe herbeigesehnte Unruhe, damit man die Dinge wieder anders sehen, einen neuen Blick auf sie werfen konnte…, das alles, fuhr es ihm durch den Sinn, würde auch seiner Ehe nicht schaden.
Nicht zum ersten Mal fragte er sich, ob er Ilaria womöglich geheiratet hatte, weil sie ihm mit einer ganz anderen Geschichte begegnet war und außerhalb dieser geschlossenen Welt des Theaters lebte. Aber ich teile doch mein ganzes Leben mit ihr, dachte er, oder … glaubt sie es … will ich
es … scheint es nur so? Warum schreibe ich ihr nicht, dass ich sie liebe? Sie wartete auf diesen Satz, so wie er zögerte, ihn zu schreiben.
Er legte den Brief beiseite und erhob sich vom Bett. Er setzte sich an den Tisch vor dem Fenster, auf dem das Modell des Bühnenbildes stand. Er bewegte es so lange auf der Tischplatte hin und her, bis durch die Öffnung, die in die Rückwand des Kartons geschnitten war, ein Sonnenfaden floss. Dann stellte er die Pappfiguren, die umgestürzt waren, in dem kleinen Raum des Modells wieder auf, platzierte sie in verschiedenen Achsen und probierte alle Konstellationen, die ihm einfielen, zwischen den Figuren aus. Was ist das für ein Beruf, dachte er, der mich den anderen immer nur sagen lässt, was sie zu tun haben, wo es mir doch gar nicht um Macht geht und diesen ganzen Unsinn: Ich erzähle nur nach. Vielleicht sollte ich nach dieser Inszenierung etwas ganz anderes tun, einen Film drehen, einen Roman schreiben, Bäume pflanzen, ein Risiko eingehen, mein Leben ändern, wieder einmal so richtig und leidenschaftlich…
Er starrte zum Fenster hinaus, und sein Blick blieb an dem Zirkusplakat hängen. Wenn du hier wärst, schrieb er
seinen Brief an Ilaria in Gedanken weiter, könnte ich mit
den Kindern heute Nachmittag in den Zirkus gehen. Du
sagst, Myriam mag das Theater nicht, weil es ihr den Vater
wegnimmt. Und ich dachte immer, alle kleinen Mädchen wollen Schauspielerinnen werden, sich verkleiden und im Licht der Bühne stehen. Myriam war noch nicht so alt wie Maude damals, als er, selbst noch ein Junge, qualvolle Stunden lang deren schmalen Rücken in der Schulbank vor sich studiert hatte – ihre Halswirbel, wenn sie den Nacken vorbeugte beim Schreiben, die zarten Schulterblätter, über die die Träger ihres Kleides liefen, und das Rückgrat, das sich durch den Stoff abzeichnete – und mit Blicken beinahe durchbohrt zu der undeutlichen Vorstellung von ihren Brüsten hin, als könnte er sich von innen in die noch unkenntliche Wölbung schmiegen wie in kleine Höhlen. Ihre Haut war durchsichtig wie hingehauchter Atem, er war ganz sicher damals, dass sie süß schmeckte, und hätte alles dafür gegeben, sie mit seinen Lippen zu berühren. Wie oft hatte er seine Hand in Richtung dieses dunklen Zopfes bewegt, den er umschließen wollte und ihren Kopf damit zurückbiegen, um endlich ihre Augen zu einem Blick zu zwingen. Eines Tages kam ihm schließlich der rettende Gedanke: „Ich mache einen Star aus dir“, hatte er ihr feierlich und ein bisschen von oben herab erklärt, und den kleinen Moment abgewartet, in dem ihm ein bislang unbekanntes Gefühl der Befriedigung durchs Herz galoppierte, als er in ihren abwägenden Augen die Neugier entdeckte und diesen heimlichen Traum, dem er schmeichelte, bevor er ihr sein erstes, selbst verfasstes Stück überreichte. Sie gestattete ihm endlich, dass er ihr nahe kam, wenn er mit ihr probte, ihren Arm hielt und ihren Körper umschloss, während sie mit ungelenken Gesten, die er ihr vorschrieb, seine nicht weniger unbeholfenen Sätze begleitete. Sie gehorchte ihm voller Bewunderung, lieferte sich seinen Anweisungen aus, und an ihrem Blick entdeckte er, dass sie ihn und niemand anderen meinte.
Maude war mehr als eine erste Liebe gewesen. Er glaubte, dass er damals und wegen ihr begonnen hatte, vom Theater zu träumen, vielleicht weil er begriff, dass es irgendwie mit Liebe zu tun hatte. Er wollte von Maude geliebt werden und später von anderen. Selbst zu lieben…, aber das war noch einmal…, darum ging es hier nicht.
Jeremy stellte das Bühnenbildmodell auf einen Stuhl in die Ecke des Zimmers, wanderte unruhig auf und ab, setzte sich wieder an den Schreibtisch und wählte Irinas Nummer.
„Magst du nicht herüberkommen zu mir?“, fragte er in ihr dunkles, ein wenig zögerliches „Hallo“ hinein.
„Ich wollte hinaus“, sagte sie, „und durch den Ort streifen.“
„Wir sollten noch ein bisschen arbeiten.“
„Alles ist vorbereitet für morgen.“
„Einfach ein bisschen miteinander reden, seit Tagen haben wir das nicht mehr getan.“
„Jeremy…“, sie seufzte.
„Rechne mir nicht immer die Zeit vor“, sagte er.
„Als wäre meine Zeit noch meine Zeit.“
„Sei nicht so pathetisch.“
Jeremy klemmte den Hörer zwischen Kinn und Schulter und öffnete seinen Computer, der einen leisen, blechernen Seufzer ausstieß. Er tippte ein paar Wörter. „Hast du einen Liebhaber hier?“, fragte er.
„Woher soll ich die Zeit für einen Liebhaber nehmen?“
„Ich hasse diese unerotischen Produktionen.“
„Könntest du so freundlich sein und aufhören, auf dem Computer herumzutippen, während du mit mir sprichst?“
„Ich wollte nur schnell den Brief für Ilaria…, übrigens, kennst du das: diese Blockade, wenn man mit der Hand schreibt?“
„Ich schreibe schon lange nicht mehr. Ich hinterlasse nur mehr meine Stimme…“
„Kennst du das“, fragte er wieder, „wenn man sehr tief drinnen steckt in einer Produktion und niemanden und nichts mehr begehren kann, was außerhalb steht?“
Irina zögerte. „Ja“, sagte sie dann.
Es liegt daran, tippte er in den Computer, dass mein Herz und mein Kopf woanders sind jetzt. Es ist nicht so, dass ich Ilaria weniger liebe. Eher so, als müsste ich jetzt Christelle und Beatrice und auch Irina mehr lieben als sie.
„Irina?“
„Ja.“
„Komm doch herüber.“
„Ich denke, du schreibst einen Brief?“
„Das kann warten.“
Er sollte wieder einmal mit Ilaria schlafen, dachte er, anstatt ihr Briefe zu schreiben.

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