Simurg von Stanko Andrić, 2003, Wieser-Verlag

Stanko Andrić

Simurg
(Leseprobe aus: Simurg, Prosa, zweisprachig (2003, Edition Zwei im Wieser Verlag
- Übertragung Klaus Detlef Olof).

Ich betrachte das Fleisch meiner Hände und dachte: Dieses Fleisch wird eines Tages verwesen. Zorn überkam mich bei dieser Erkenntnis. Ihre Unabänderlichkeit ließ keinerlei Platz für den Zweifel, keinerlei Zuflucht für die Hoffnung. Von Anfang an begriff ich, daß ich keine Chance hatte. Das Gefühl der Schwäche und Niederlage war so vollständig, daß ich in ihm, jenseits von Angst und Schmerz, einen alles umfassenden Trost fand. Ich schloß die Augen und lag da auf meinem Rücken, ohne jede Bewegung, so wie Toten auf der Bahre liegen. Ich stellte mir vor, ich wäre schon gestorben, ich wäre den Blicken der anderen ausgesetzt, ohne selbst etwas zu empfinden und etwas zu wissen. Die Welt lebte weiter, mit sich selbst beschäftigt, ohne mich, für immer.

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