Hans Christian Andersen

Brief an Edvard Collin
(aus: Ich bin ein seltsames Wesen, Tagebücher 1825-1875, ausgewählt, herausgegeben und übersetzt von Gisela Perlet, 2003, Wallstein-Verlag)

Auszug aus dem Eintrag vom 31. Mai 1865: »[] Brief an Edvard Collin geschickt, erzählt, daß ich Heine lese, und gesagt: Heine ist ein witziger Schwätzer, gottlos und leichtfertig, und doch ein echter Poet; seine Bücher sind Elfenmädchen in Samt und Seide, wimmelnd von Ungeziefer, so daß man sie bei angezogenen Leuten nicht frei im Zimmer herumlaufen lassen kann. Den anderen das meiste von Paludan-Müllers 'Kalanus' vorgelesen. Als ich den Kuckuck im Garten hörte, fragte ich: »Wie lange soll ich noch leben?«, und da verstummte er plötzlich. Bedeutet das, daß er mir nicht ein einziges Jahr versprechen kann, daß ich bald davon muß - voriges Jahr hat der Kuckuck mir noch 'viele Jahre' zu leben gegeben! Eine seiner Aussagen ist dann gelogen. []«

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