Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und
nationaler Sozialismus
(Leseprobe aus: Hitlers Volksstaat. Raub,
Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, Sachbuch, S.
Fischer).
Wie alle Revolutionäre erzeugten die überaus
jungen Gefolgsleute
der NS-Bewegung die Aura des Jetzt-oder-nie. Zum Zeitpunkt der
Machtübernahme 1933 war Joseph Goebbels 35 Jahre alt, Reinhard
Heydrich 28, Albert Speer 27, Adolf Eichmann 26, Josef Mengele 21,
Heinrich Himmler und Hans Frank waren 32. Hermann Göring – einer
der Älteren – hatte gerade den 40. Geburtstag gefeiert. Noch mitten
im Krieg konnte Goebbels aus Anlass einer statistischen Erhebung
feststellen: »Danach beträgt das Durchschnittsalter der führenden Per-
sönlichkeiten auch in der mittleren Schicht der Partei 34 und innerhalb
des Staates 44 Jahre. Man kann also in der Tat davon sprechen,
dass Deutschland heute von seiner Jugend geführt wird.« Zugleich verlangte
er nach »personeller Auffrischung«.
Für die Mehrzahl der jungen Deutschen bedeutete der Nationalsozialismus
nicht Diktatur, Redeverbot und Unterdrückung, sondern
Freiheit und Abenteuer. Sie sahen darin eine Verlängerung der Jugendbewegung,
ein körperliches und geistiges Anti-aging-Programm. Die
tonangebenden 20- bis 30-Jährigen erhoben sich 1935 verächtlich
über die Kleingeister. Sie sahen sich als moderne, antiindividualistische
Tatmenschen. Sie belächelten des »Spießers Sorgen – denn uns
gehört das große Morgen«. Im Januar 1940 wähnten sie sich vor der
»großen Schlacht«, von der sie annahmen, ». . . gleich wer fällt, so wird
dieses Land einer glücklichen, großen Zukunft entgegengehen«, um
noch Anfang März 1944 – trotz aller mittlerweile erlebten Schrecken –
»zum Endspurt dieses Krieges« anzusetzen.
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