Susanne Ulrike Maria Albrecht

Verdächtige und andere Katastrophen
(Leseprobe aus: Verdächtige und andere Katastrophen, Roman, 2009, Nordmann Verlag)

„Ich kann nicht gestehen, was ich nicht getan habe!“ Jürgen Stein war verärgert. Er blickte abwertend zu seinem Scharfrichter, der so hässlich war, dass sich abermals sein sensibler Magen regte. Dieses Ekel konnte sich glücklich schätzen, dass er nichts Essbares mehr zu sich genommen hatte. Dann betrachtete er eingehend dessen Helfershelfer, der offenbar genauso irre war wie er selber. Keiner hätte das besser beurteilen können. Nicht umsonst sagte man: Nur ein Irrer erkennt einen Irren. Und der hier schien ihm sogar um einige Ticks voraus zu sein.

„Sehen Sie mal, was ich hier habe! Diese anonymen Drohbriefe habe ich heute bei Ihnen sichergestellt!“ Kommissar „Eifer“ öffnete siegessicher die grüne Mappe und breitete die Briefe auf seinem Schreibtisch aus.

„Was?! Sie waren in meiner Wohnung?“

„Wenn Sie das Dreckloch, in dem Sie hausen, als Wohnung bezeichnen wollen, ja! Übrigens, hier ist der Durchsuchungsbeschluss. Alles ganz legal!“ Er schob ihm das Schriftstück hin. „Außerdem sollten Sie mir dankbar sein, dass ich Ihren Saustall sozusagen einmal gründlich ausgemistet habe. Wo Sie doch  bald in Untersuchungshaft sitzen werden!“ Kommissar „Eifer“ warf ihm einen verächtlichen Blick zu.

„Sie scheinen sich Ihrer Sache sehr sicher zu sein, Herr Hauptkommissar.“

„Oh, ja! Das bin ich in der Tat. Worauf Sie sich verlassen können. Wie heißt es doch gleich?“ Er wandte sich an seinen Assistenten und schnipste auffordernd mit den Fingern. „Wie heißt es doch so schön, Maurus?“

Der fühlte sich überrumpelt und wusste nichts weiter als „Chef?“ zu erwidern.

„Nun mal raus mit unseren Wahlsprüchen, Maurus!“

Paul konterte zögernd: „Ohne Fleiß kein Preis, Chef?!“

„Bingo, Maurus! Tun Sie sich keinen Zwang an, weiter im Text!“ beharrlich schnalzte er mit den Fingern.

„Chef, Sie meinen bestimmt: Nichts ist wie es scheint. Vertraue niemandem!“

„Unbestreitbar, unsere oberste Prämisse, um die tägliche Arbeit hier bewältigen zu können! Jeder ist eine denkbar kriminelle Kreatur, und in jedem Keller stößt man irgendwann auf eine Leiche ...“

„Ich habe keinen Keller!“ entgegnete Jürgen Stein beherzt.

„Gutes Argument, aber leider wenig überzeugend!“ Kommissar „Eifer“ wandte sich an seinen Gehilfen. „Sehen Sie mal, Maurus, wir haben es hier mit einem Komiker zu tun. Und er ist beinahe so witzig wie Sie ...“

Rasch fiel ihm Paul ins Wort. „Da wir gerade beim Thema sind, fällt mir ein: Neugier bringt die Katze um, Chef!“

„Volltreffer, Maurus!“ hochmütig wiederholte er das Sprichwort. „Neugier bringt die Katze um, ... hält aber den Kriminalisten am Leben! Wie Sie sehen, Herr Stein, habe sogar ich einen gewissen Sinn für Humor. Widmen wir uns also wieder den ernsten Dingen. Dieses halbe Dutzend Drohbriefe wurde mittels Zeitungsbuchstaben erstellt, wie unschwer zu erkennen ist. Genau wie die Botschaft, die wir neben dem Mordopfer gefunden haben. Allerdings sind diese Schreiben hier weniger poetischen Tenors.“

Rezension I Buchbestellung I home IV09 LYRIKwelt © Susanne Ulrike Maria Albrecht/Nordmann Verlag