Drei Herzen von Jörg Albrecht, 2010, Wallstein

Jörg Albrecht

Drei Herzen
(Leseprobe aus: Drei Herzen, Roman, 2010, Wallstein-Verlag).

Auf Power schalten. Den roten Knopf drücken. Den roten

Knopf gedrückt lassen. Den LCD ausklappen. Das

Bild auf dem LCD abwarten.

Wie es sich aufhellt, wie es sich abdunkelt. Dazwischen

verschwommene Konturen. Das Bild im Mutterleib. Vielleicht

kennen wir da schon den verschwommenen Ausblick.

Vielleicht haben wir unsere Worte da schon. Vielleicht

ist die Welt da schon klein.

Die RECORD-Anzeige blinkt. Die RECORD-Anzeige

ist rot. Der Ton ist verzerrt, das Bild verschwommen.

Nur die Tonspur läuft. Nur die Bildspur läuft. Nur die

Hautzellen sind noch nicht abgestumpft. Jede Berührung

ein elektrischer Schlag, jede Berührung das Aufleuchten

eines Bildes. Bis sich Berührungen aneinanderreihen. Jede

Berührungsserie ein Aufblinken von Bildern, jede Berührungsserie

ein Film. Jeder Film fängt irgendwann an. Jeder

Film hört irgendwann auf. Dazwischen das kleine Beben

der Bilder. Was sagt der Seismograph.

Die RECORD-Anzeige bleibt rot, die RECORD-Anzeige

blinkt.

Erst zwei hellblaue Punkte und eine Fläche aus Schwarz.

Erst verschwommen, dann klar. Joshs Augen und Pitjes

Haare. Erst in Bildbruchstücken, dann hochaufgelöst. Pitje

sagt, Nur von innen. Josh fragt, Filmst du schon. Pitje hält

etwas Hellgrünes aus Plastik vor sein Gesicht. Pitje hält

etwas Hellgrünes aus Plastik vor seine schwarzen Augen.

Davor ist das Bild unscharf. Davor ist das Bild zu dunkel.

Davor ist das Bild schwarz.

(...)

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