Sternstaub, Goldfunk, Silberstreif von Jörg Albrecht, 2008, Wallstein

Jörg Albrecht

Sternstaub, Goldfunk, Silberstreif
(Leseprobe aus: Sternstaub, Goldfunk, Silberstreif, Roman, 2008, Wallstein-Verlag).

Ein Lid, wie es sich schließt, wie es sich öffnet. Schließt und

öffnet. Schließt. Öffnet. Eine Bewegung, immer ein und

dieselbe Bewegung, nochmal und nochmal. Das Lid, wie es

den Blick freigibt auf die Pupille, die Iris und das Weiß.

Wenn die Pupille vergrößert wird, damit mehr Licht durchkommt:

an einen schwarzen Planeten denken, der mit rasender

Geschwindigkeit auf dich zukommt, während sich

um ihn herum tausende von Lichtpunkten spiegeln. Und

du siehst hinauf. Egal was du siehst, was immer da sein

wird: das Ohr. Dein Ohr, wie es sich nicht schließt, nicht

öffnet, wie es lauscht und wartet, auf die Ouvertüre. Nach

der Ouvertüre: Abdrücke unserer Ohrmuscheln in den

Kopfhörern. Noch sind die Notenpulte erleuchtet, noch

fangen die Kronleuchter an der Decke unsere Blicke ab,

doch bald schon, bald. Ein Lid, wie es sich schließt, und

dasselbe Lid, wie es sich öffnet. Öffnen, schließen, öffnen.

So leben wir.

Das Universum summt. Ovale Bildschirme innen im Raumschiff,

die flimmern. Ungeborenen gleich, schwebend und

an Leitungen, halten wir sie hin zu den Planeten, unsere

überdimensionalen Ohren, um zu hören, was summt. Nur

wie Funken erlöschen oder einschlagen in unserer Nähe,

das hören wir nicht. Diese Leuchtspuren aber, abgestrahlte

Energie, erinnern uns, daß wir in der Schwebe von Meteoriten

getroffen werden, millimetergroß, Mikrometer, als

wären wir antarktischer Schnee. Einschläge! Jetzt, und

jetzt wieder, immer wieder. Überhelle Bildschirme flimmern,

hoch über unseren Körpern, sehr weit weg für die

Welt draußen.

(...)

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