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Land voller Liebe
(Leseprobe aus: Land
voller Liebe, Roman, 2006, Tropen
Verlag)
Ute lachte noch lauter. Ihr Lachen war schön,
kaum behaucht, ein Abgang von frischen, winzigen Waldfrüchten; viel schöner
als ihre Sprache. Sie tat, als sehe sie aus dem Fenster, und ich sah ihren
hohen, weißen Nacken, den BH-Träger, der den Träger des purpurnen Oberteils
kreuzte.
Gegen halb zehn kam Lachmann nach Hause; er war nicht überrascht, mich in
seinem Antikledersessel zu finden, seine Hausschuhe am Fuß. Die Köchin,
Mickymaus-Handschuhe an den Händen, zog Fische aus dem Ofen, Fossilien mit
rissiger Haut. Am Gartentisch faltete Lachmann die Hände vor dem Bauch,
sammelte Kraft unter Jacarandas. Unsichtbare Insekten schwärmten über dem
Tiramisú.
»Deutschland ist zu nervös«, sagte Lachmann und schneuzte sich lange. »Ich
weiß schon, warum ich hier bin.« Er behielt die Ruhe, als der Fisch ihm vom
Tortenheber bröckelte, bevor er ihn auf den Teller hieven konnte. »Friedliche
Revolution«, ächzte er, »alter Hut. Ich kenn diese friedlichen Revolutionen.
Die sexuelle Revolution, die digitale Revolution, die Diät-Revolution.
Hinterher ist alles wie gehabt.«
Er nahm eine Postkarte vom Tisch, Tadsch Mahal oder Hagia Sophia oder irgendein
anderer Kuppelbau, drückte sie auf den Bierschaum und stürzte das Glas um.
Dann sah er mich triumphierend an in seiner nassen Hose; Bier troff von den stämmigen
Schenkeln. »Da haben Sie’s«, sagte er. »Das Unterste kommt nach oben, wenn
man was umdreht? Unsinn. Es läuft einfach nur aus. Schließlich ist nichts mehr
übrig, nur Schaum.«
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