Hans-Joachim Aereboe

Pflüg tief...

Pflüg tief, mein Sohn, und grad die Furchen ziehn!
Laß nicht verdrießen dich der Sorgfalt Müh!
Zu kostbar sei für Oberflächlichkeit
bei jedem Werk dir die goldne Zeit.
Nur grade, tiefe Arbeit bringt den Lohn.
Pflüg tief, mein Sohn!

Pflüg tief, mein Sohn! Das Leben ist kein Spiel.
Du stehst am Anfang, ferne ist das Ziel.
Laß blühn die Blumen rechts und links am Pfad;
schau gradeaus, dann wird die Furche grad!
Laß eitles Spiel mit Wucherblum und Mohn;
Pflüg tief, mein Sohn!

Pflüg tief, mein Sohn! Das Ackerfeld muß rein
von bösem Unkraut wie dein Herze sein.
In reinem Boden nur gedeiht die Saat.
Aus reinem Herzen nur wächst edle Tat.
Die Disteln, Quecken, ach, du kennst sie schon!
Pflüg tief, mein Sohn!

Pflüg tief, mein Sohn! Die Tiefe gibt dir Kraft;
sie ist es, die uns ewge Werte schafft.
Nimmst du das Leben, deine Pflichten leicht,
schwach wird dein Arm und deine Seele seicht.
Auch wird die Arbeit dir statt Lust zur Fron.
Pflüg tief, mein Sohn!

Pflüg tief, mein Sohn! Aus Tiefen steigt empor
der Lerche Sang und wird zum Jubelchor.
So kommt auch dir aus Tiefen eigner Brust
des Lebens tiefstes Leid und höchste Lust.
Die tiefste Saite gibt den vollsten Ton.
Pflüg tief, mein Sohn!

Pflüg tief, mein Sohn! Laß Haß und Liebe glühn.
Dem Schlechten Haß! Dem Guten heißes Mühn!
Die eigne Seele ist der große Preis,
um den du ringen sollst - tief - tief - und heiß.
Der tiefsten Liebe winkt die höchste Kron.
Pflüg tief, mein Sohn!

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