einschlafgeschichten von Friedrich Achleitner, 2003, Zsolnay

Friedrich Achleitner

Knalkoff
(aus: einschlafgeschichten, 2003, Zsolnay)

hans knalkoff ist ein etymologischer sonderfall, nicht er, sondern sein familienname. knal kommt nicht von knall, sondern von knol oder kniga, koff nicht von kopf, sondern von mala oder svet. kniga kommt aus dem altslawischen und hat etwas mit unzuverlässig zu tun, mit einem menschen, der lesen oder gar schreiben kann. ob es tatsächlich einen knigakoff gibt, konnte in den zahlreichen osteuropainstituten nicht erfragt werden, es spielt auch für diese geschichte keine rolle, weil sie keine chance hat, zu einem ordentlichen ende geschrieben zu werden. es ist sonntag mittag, die milde herbstsonne scheint durch die kleinen fensterscheiben, und es ist so überhaupt kein etymologisches wetter. die bulgaren, die auskunft geben könnten, sind auf der donauinsel, man müsste sie unter oder weit weg von den vielen türken suchen. an einem sonntag, an dem die milde herbstsonne durch die kleinen fensterscheiben scheint, schreibt man eben keine geschichte, eine etymologische schon gar nicht. nachmittags könnte es allerdings passieren, dass man die malakofftorte mit einer verfeinerten wahrnehmung genießt, womit bewiesen ist, dass lesen nicht nur bildet, sondern auch abenteuer im koff verschafft.

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