Elisabetta Abbondanza

Die Tänzerin

Sie stellte sich vor, mit den Füßen die Steppe zu messen,
'in kurzen Zügen atmete sie die Weite des Himmels,
blühte in sich hinein,

und flapsige Schmetterlinge flogen ihr
durch Bauchnabel, Leber und Nieren,
und hungrige Vögel
nisteten sich in ihr Herz ein.
Sie hörte sie, ja sie waren es
die ungeduldig gegen die Herzwand piekten
aber warum bei ihr,
und seit wann und woher? -

Sie untersuchte im Spiegel ihren Rücken,
beugte ihn leicht. Nichts.
Sie öffnete sich den Brustkorb - denn wirklich,
sie konnte sich nicht
zusammennehmen - also entstand
ein unermessliches Fliegen. Die Luft
war voll von dunklen und hellen Flügeln
spitzen lautlosen Mündern
schwarzen Augen und verkniffenen Beinchen.
Doch sie gingen. Ebenso die Schmetterlinge.

Sie deckte
ihr ausgegrabenes Herz
mit einer Hand voll Erde zu
und legte sich vor Schwere hin, -

Dem Körper wuchsen Wurzeln
aus Vorderarmen und Rippen, aus Händen und Nacken
und Beinen
aus Brust, Rücken, Füßen
und Haar - nähten die Verträumte an den Boden -

Schluss, jetzt
riss sie sich von der Erde los, ging weiter, sie
tanzte gegen die Schwere tanzte durch die Luft,
um sie herum
lebten die Wurzeln

und ihr Herz immer durchsichtiger,
immer stärker.

Rezension I Buchbestellung I home 0I09 LYRIKwelt © E.A.