E. Y. Meyer
*1946 in Liestal/Schweiz, lebt und arbeitet in Bern/Schweiz
Stationen u.a.: Studium Literatur, Philosophie in Bern. Seit 1974 freier Schriftsteller. Aufenthalte in New York, Paris, London.
Arbeitsgebiete: Gedicht, Erzählung, Roman, Theaterstück, Hörspiel
Auszeichnungen/Ehrungen/Preise (Auswahl): Gerhart-Hauptmann-Preis. Preis der Schweizerischen Schiller-Stiftung. Weltli-Preis für das Drama. Buchpreis des Kanton Bern (2005).
Veröffentlichungen (Auswahl): Ein Reisender in Sachen Umsturz, Erzählungen (1972, Suhrkamp). In Trubschachen, Roman (1973). Die entfernte Ähnlichkeit, Erzählungen (1975, Suhrkamp). Die Rückfahrt, Roman (1977). Das System, Theaterstück (1983, Suhrkamp). Sundaymorning, Theaterstück (1987, Bern). Das System des Doktor Maillard oder Die Welt der Maschinen, Roman (1994). Wintergeschichten, Erzählungen (1995, Ammann). Venezianisches Zwischenspiel, Roman (1997). Der Trubschachen-Komplex, Roman (1998). Der Ritt, Ein Gotthelf-Roman (2004, Folio Verlag). Eine entfernte Ähnlichkeit, Eine Robert-Walser-Erzählung (2006, Folio Verlag).
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Leseprobe aus Wintergeschichten
Als der Alte und er dieses Haus, das eher eine Hütte war, erreicht hatten,
wurde sofort die einzige sichtbare Tür geöffnet, und sie traten ein.
Erschrocken glaubte er zuerst, dass er durch den langen Aufenthalt in der
weissen Helligkeit erblindet sei – bis in der Dunkelheit um ihn herum nach und
nach überall hellere Flecken aufzutauchen begannen.
Und dann, nachdem seine Augen sich an den schnellen Lichtwechsel gewöhnt
hatten, sah er, dass ihm aus dem rauchigen Innern des Hauses, das nur aus einem
einzigen grossen Raum bestand, von allen Seiten her Gesichter entgegenblickten
– dass überall Männer, Frauen und Kinder sassen, die in Felle und in dicke
Stoff- und Wollsachen gehüllt waren, während sich auf dem Fussboden Hunde der
verschiedensten Grössen und Rassen tummelten.
Vor den Fenstern des dunklen und warmen Raums hingen grosse Säcke, und von den
Deckenbalken baumelten mehrere russende, nur wenig Licht verbreitende
Petroleumlampen herab.
In einer Ecke stand ein Herd mit grossen Töpfen, aus denen Dampf aufstieg –
eine andere Ecke wurde von einem mächtigen Lehmofen eingenommen, auf dessen
Stufen dicht aneinandergedrängt bis zur Decke hinauf pfeifenrauchende alte Männer
mit verwitterten Gesichtern und zum Teil riesigen Bärten sassen, deren Augen,
wie die aller Menschen, die sich hier aufhielten, mandelförmig in die Länge
gezogen waren.