*15.August 1924 in Czernowitz/Bukowina, +16.Dezember 1942 im SS-Arbeitslager Michailowska jenseits des Bug/Ukraine
Stationen u.a.:
Mit seinen 57 überlieferten Gedichten, die es ab dem 15.
Lebensjahr schrieb und überwiegend dem Freund Lejser Fichman wirdmete,
hinterließ das deutschsprachige jüdische Mädchen ein Stück Weltliteratur.
Namhafte KünstlerInnen wie Iris Berben, Ute Lemper, Reinhard Mey, Herman van
Veen u.v.a. haben Selma Meerbaum-Eisingers Gedichte für CD-Produktionen
interpretiert und vertont.
Selma war die Tochter des Ladenbesitzers Max Meerbaum. Er starb schon
1926, und die Witwe heiratete Leo Eisinger. Sie alle waren deutschsprachige
Juden aus der rumänischen Stadt Czernowitz, aus der auch der von den
Nationalsozialisten verfolgte Dichter Paul Celan
und die Schriftstellerin Rose Ausländer
stammten. 1942 wurde Selma von den Nazis mit Hilfe der Reichsbahn
deportiert. Ihr gelang zwar zunächst die Flucht aus dem Ghetto, kam aber nach
ihrer erneuten Zwangsverschleppung ins Konzentrationslager Michailowska, wo sie
mit nur 18 Jahren an Flecktypus starb und irgendwo verscharrt wurde.
Ihre Gedichte, die der um ein Jahr ältere und innig geliebte
Freund Lejser Fichman 1944 kurz vor seiner Flucht nach Palästina, bei der
er tragisch ums Leben kam, einer Freundin Selmas anvertraute und somit vor der
Vernichtung rettete,
wurden erst 1980 entdeckt und von dem Journalisten und Autor Jürgen
Serke
bei Hoffmann und Campe erstmals veröffentlicht. Selma
Meerbaum-Eisinger hatte sie zwischen Mai 1939 und Dezember 1941 mit Bleistift
aufgeschrieben und in einem Album unter dem Titel „Blütenlese“ zusammengefasst.
Serke beschreibt in seinem nun schon in 2. Auflage erschienenen Buch „Ich bin in
Sehnsucht eingehüllt“ den unglaublichen Weg des vergilbten Albums und seine
glückliche Wiederentdeckung.
Die Schriftstellerin Hilde
Domin war es, die 1980 Jürgen
Serke auf die
wunderbare Liebes- und
Naturlyrik aufmerksam machte. „Es ist eine
Lyrik, die man weinend vor Aufregung liest: so rein, so schön, so hell und so
bedroht“, beschrieb
Hilde
Domin damals Selmas sprachliche Kunstwerke, die bis
heute von ihrer Anziehungskraft nichts verloren haben.
Ohne das Tagebuch „Laßt mich leben“ des Malers Arnold Daghani
allerdings wäre unbekannt geblieben, wo und wann Selma, wo und wie die Eltern
des Dichters Paul Celan
ums
Leben gekommen sind. Selma war die Cousine
Celans und über ihre Mutter mit ihm verwandt.
(© Hermann
Henkel)
Arbeitsgebiete: Gedicht
Auszeichnungen/Ehrungen/Preise (Auswahl): -
Veröffentlichungen (Auswahl): Blütenlese, Gedichte (1979). Ich bin in Sehnsucht eingehüllt, Gedichte eines jüdischen Mädchens an seinen Freund (1980, Hoffmann und Campe/2005, S. Fischer, hrsg. von Jürgen Serke).
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