Lyrik & Prosa-LogoAlfred-Müller-Felsenburg-Preis-Verleihung 2011


Am 9.November 2011 wurde der "Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur 2011" an

Kirsten Niesler bei der Danksagung, Foto: Werner Bloemer

Kirsten Niesler

und

Martin Cern bei seiner Lesung, Foto: Werner Bloemer

Martin Cern
(Gerd H. Dörken)

vergeben!

 Verleihung des Alfred-Müller-Felsenburg-Preises: (v.l.) Hans-Werner Gey, Kirsten Niesler, Michael Fallenstein (hinten), Gerd H. Dörken alias Martin Cern und Bürgermeister Claus Jacobi. Foto: Werner Bloemer (hf1111)
Verleihung des Alfred-Müller-Felsenburg-Preises: (v.l.) Hans-Werner Gey, Kirsten Niesler, Michael Fallenstein (hinten),
Gerd H. Dörken alias Martin Cern und Bürgermeister Claus Jacobi

Bürgermeister Claus Jacobi eröffnet die AMF-Preisverleihung 2011, Foto:Werner Bloemer

 Gespannte Erwartung bei den Preisträgern Kirsten Niesler (unten links) und Martin Cern (unten rechts), Foto: Werner Bloemer Der Ratssaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, Foto: Werner Bloemer Für den musikalischen Rahmen sorgen Mark Busch (Gitarre) und Bileam Kirsch (Saxophon), Foto (A): Werner Bloemer Gäste bei der AMF-Preisverleihung, Foto: Werner Bloemer Gäste bei der AMF-Preisverleihung, Foto: Werner Bloemer Gäste bei der AMF-Preisverleihung, Foto: Werner Bloemer Gäste bei der AMF-Preisverleihung, Foto: Werner Bloemer Hans-Werner Gey von der www.lyrikwelt.de, Initiator des AMF-Preises, Foto: Werner Bloemer Rudolf Damm bei seiner Laudatio auf Kirsten Niesler und Martin Cern, Foto: Werner Bloemer Bürgermeister Claus Jacobi verliest die Urkunde, rechts das Ehepaar Kniese, Foto: Werner Bloemer Gratulation für Kirsten Nielser, Foto: Werner Bloemer Bürgermeister Claus Jacobi gratuliert Gerd H. Dörken alais Martin Cern, Foto: Werner Bloemer Michael Fallenstein spricht als Sohn für die Familie Müller-Felsenburg, Foto: Werner Bloemer Kirsten Niesler bedankt sich, Foto: Werner Bloemer Herzliche Gratulation, Foto: Werner Bloemer Gerd H. Dörken alias Martin Cern mit Sohn, Foto: Werner Bloemer Gratulation zum AMF-Preis, Foto: Werner Bloemer Gratulation von Kerstin Wördehoff, Foto: Werner Bloemer  Gratulation, Foto: Werner Bloemer Die Helferinnen im Hintergrund, Foto: Werner Bloemer Verleihung des Alfred-Müller-Felsenburg-Preises: (v.l.) Hans-Werner Gey, Kirsten Niesler, Michael Fallenstein (hinten), Gerd H. Dörken alias Martin Cern und Bürgermeister Claus Jacobi. Foto: Werner Bloemer (hf1111)

...und auch etwas im Blog vom Autorenkreis RUHR MARK und in der Westf. Rundschau!

Die Fotos stellte uns Werner Bloemer
freundlicherweise zur Verfügung. Wir danken ihm dafür ganz besonders.



***

Rudolf Damm bei seiner Laudatio auf Kirsten Niesler und Martin Cern, Foto: Werner BloemerDie Laudatio auf Kirsten Niesler und Martin Cern,
von Rudolf Damm

Der "Alfred Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur" ist 2011 an Frau Kirsten Niesler und Herrn Gerd H. Dörken, als dem Lyriker Martin Cern, beide aus Gevelsberg, vergeben worden. Als Laudator möchte ich versuchen, Ihnen zu zeigen, dass diese Wahl richtig ist, dass beide Ausgezeichneten die "Flasche ehrlichen Landweins" - so der Auftrag des Namensgebers dieser Auszeichnung Alfred Müller-Felsenburg - verdient haben. Das möchte ich wörtlich nehmen: entferne ich die Vorsilbe "ver", bleibt das Verb "dienen" zurück und Frau Niesler als auch Herr Dörken "dienen" ganz im Sinne des Namensgebers dieser Auszeichnung: sie schaffen einen Wert für andere Menschen, sie dienen dem Menschen, schaffen Kunst oder entreißen Kunst dem Vergessen, ganz im Sinne des unverbesserlichen Pädagogen und" Weltverbesserers" Müller-Felsenburg. "Ich liebe die Menschen, die Welt, das Um-mich-Herum, Gott---und mich selbst" (aus dem Vorwort seines 2004 von ihm herausgegebenen Werkverzeichnisses, S.8 )

In einem seiner Kurztexte zwei Seiten weiter heißt es dazu: "Wir nennen Kunst, was der Mensch kreativ artikuliert. Sei es optisch, akustisch, haptisch. Immer dann, wenn er seine Sinnenträchtigkeit einsetzt, gewinnt er neue Bezirke und übersteigt sich selbst. Dann malt, schreibt, singt, spielt, baut, filmt er und wendet zu Tiefe oder Höhe, was gleichförmig und steril schien. 11 (Aus: Alfred Müller-Felsenburg, Werkverzeichnis 2004 mit Werkproben, Hagen 2004, S. 10)

Doch genug der Worte über den Preisstifter - ich wende mich nun den Geehrten zu und beginne mit der Journalistin Kirsten Niesler, der Lyriker Martin Cern kann warten ...

Frau Niesler wird geehrt für ihren Beitrag im "Heimatbuch Hagen und Mark 1989" "Die lyrische Ader der Westfälin, eine kleine Galerie heimischer Dichterinnen-Porträts". In diesem Artikel erinnert sie an so unterschiedliche Dichterinnen wie Henriette Davidis, heute noch allgemein im Gedächtnis als Kochbuchverfasserin, Gertrud Bäumer, die "kämpferische Frauenrechtlerin aus Hohenlimburg, die einen großen Teil ihrer Schaffenskraft dem Schreiben von Romanen und Biographien widmete" (Kirsten Niesler). Ellen Soeding, geborene Liebe-Harkort "veröffentlichte vor ihrer erfolgreichen Familienchronik (über die Familie Harkort) Romane und Erzählungen." (Kirsten Niesler) Minna Schmidt-Idar aus Milspe und Ida Hesse aus Hohenlimburg als regionale und teilweise Mundartdichterinnen und die zwar in Minden geborene, aber mit Haus Villigst bei Schwerte eng verbundene Dichterin Gertrud von le Fort.

In der Verleihungsurkunde der heutigen Auszeichnung heißt es: "Mit der Aufarbeitung dieses umfangreichen Kapitels westfälischer Frauenliteratur beweist sie Weitsicht und Aufrichtigkeit im kulturpolitischen und journalistischen Sinne"

Als Laudator kann ich diese Aussage nicht nur bestätigen, ich muss sie geradezu verstärken. Bis dato war mir, als gebürtigem Nicht-Westfalen, der von Jahr zu Jahr mehr von der kulturellen Vielfalt in Geschichte und Gegenwart Westfalens fasziniert ist, nur der Name einer einzigen Dichterin präsent: die Münsterländerin Annette von Droste-Hülshoff.

Henriette Davidis durchaus als Kochbuchautorin von Rang, aber als Dichterin?

Sicher auch Gertrud Bäumer, die Frauenrechtlerin, deren Porträt mir aus der Dauerbriefmarkenserie der Post bekannt war, aber nicht als Autorin von Rang, geschweige denn die anderen Namen einschließlich der Harkortschen Familiengeschichte und ihrer Verfasserin.

Dafür möchte ich mich persönlich bei Frau Niesler bedanken: sie hat mich im wahrsten Sinne des Wortes "eines besseren belehrt"!

In überzeugender Art und Weise hat die Geehrte ein literaturhistorisch und sprachlich bleibendes Werk geschaffen, das nicht nur dem kulturhistorisch interessierten Bewohner unserer Landschaft, der mit offenen Augen durch unsere westfälische Geschichte geht, ein neues Kapitel der Sicht auf dichtende Frauen eröffnet, sondern auch dem Literaturwissenschaftler eine Grundlage für zwingend weitere Beschäftigung mit dem literarischen Vermächtnis dieser Dichterinnen an die Hand gegeben.

Auf die große Bedeutung dieses Artikels von Frau Niesler neben ihrer unermüdlichen journalistischen Tagesarbeit u.a. als Kultur- und Literaturkritikerin der "Westfalenpost" in Hagen in den 80er Jahren verweise ich mit einem Zitat aus dem Gedicht "Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Lotse in die Emigration" von Bertolt Brecht im 13. und letzten Vers:

"Aber rühmen wir nicht nur den Weisen,
Dessen Name auf dem Buche prangt!
Denn man muss dem Weisen seine Weisheit erst entreißen,
..."

Genau diese Aufgabe hat Kirsten Niesler erfüllt!

Kirsten Niesler, geboren 1949 in Lübeck, studierte Germanistik und Geschichte in Bochum. Danach war sie, wie schon erwähnt, in den 80ern Literatur- und Kulturkritikerin der WP in Hagen, dann 14 Jahre lang Redaktionsleiterin im Ennepe-Südkreis {das sind die Städte Gevelsberg, Schwelm und Ennepetal}.

Nach der Umstrukturierung der Mediengruppe WAZ 2009 ging sie nach Menden, 2010/11 nach Hagen-Hohenlimburg. Zu ihrer Verabschiedung aus dem aktiven Berufsleben heißt es in der" Westfälischen Rundschau" vom 6. Januar 2011: "Denn einmal Journalistin heißt vielfach immer Journalistin. Deshalb sucht die Gevelsbergerin, die mehr als 20 Jahre für unsere Zeitung arbeitete, nach weiteren Herausforderungen. In Hohenlimburg, wo sie in den zurückliegenden 15 Monaten arbeitete, hinterließ sie insbesondere auf dem kulturellen Sektor Spuren, schließlich liegt ihr Kultur besonders am Herzen.
Gestern schloss sich für sie der berufliche Kreislauf. Deshalb fanden sich u.a. mit Bezirksbürgermeister Hermann-Josef Voss ( ... ) und weiteren Vertretern aus der Politik und den heimischen Vereinen zahlreiche Honoratioren ein. Sie alle dankten Kirsten Niesler für ihre engagierte Arbeit in den zurückliegenden Monaten."

Neben diesem wichtigen literaturwissenschaftlichen Text über die westfälischen Dichterinnen aus unserem Raum gehörte ja das Verfassen von rein journalistischen Arbeiten zu ihren täglichen Aufgaben. Ich finde es aber in unserem Zusammenhang sehr wichtig, auf die Verbindung Kirsten Nieslers mit dem Namensgeber unseres Literaturpreises, Alfred Müller-Felsenburg, hinzuweisen:

Neben dem von ihr verfassten Nachruf auf den Verstorbenen in der "Westfalenpost" vom 1. Januar 2007, in dem eine über das rein journalistische Interesse hinausgehende Kenntnis an leben und Werk des Schriftstellers deutlich wird, erschien in derselben Zeitung ein Jahr später, am 1. Januar 2008 ihr in den letzten Lebensmonaten mit Müller-Felsenburg geführtes Gespräch über seinen letzten noch im Todesjahr 2007 erschienenen Roman "Selbstbezichtigung: Mord! Die seltsam-schizophrenen Träume des Zeno Hanuman". Zum besseren Verständnis ein Zitat aus der Einleitung des besagten Artikels: "In den Roman hat der Autor mitunter - auch augenzwinkernd - Autobiographisches gelegt.

So ist die Hauptfigur - der hinduistische Affengott Hanuman - er steht für die animalische Ursprünglichkeit des Menschen - wie der Autor am 26. Dezember 1926 zur Welt gekommen. Auch das Äußere Hanumans trifft auf den Autoren zu."

So schließt sich der Kreis zwischen Kirsten Niesler und Alfred Müller-Felsenburg - ich bin überzeugt, nicht nur in meinem und im Namen der Auswahljury dieses Literaturpreises zu sagen: Kirsten Niesler hat diese Auszeichnung verdient!

Lieber Herr Dörken, oder besser lieber Martin Cern? Der Herr Gerd Helmut Dörken muss heute hinter seinem dichterischen "Ich", dem Martin Cern, der für sein Lebenswerk als Lyriker, dem Verfasser heiterer Prosa - das sind Erzählung, Roman, Glossen, Tagebuch und der dichterischen Übersetzung des türkisch-zypriotischen Autors Nevzat Yalcin zurückstehen. Übrigens Nevzat Yalcin war der Träger des Müller-Felsenburg-Preises 1989 - Sie sind es in diesem Jahr. Jetzt muss der Dichter Martin Cern wieder warten, denn ohne Gerd Helmut Dörken gäbe es ihn ja gar nicht!

Gerd Helmut Dörken wurde am 3. Juli 1928 in Gevelsberg geboren und lebt auch heute noch in Gevelsberg. Er war Unternehmer und Handelsvertreter. Das heißt, er war beruflich immer unterwegs - anscheinend mit der Bahn, denn Martin Cern greift diese Reisetätigkeit mit Gedichten über "Eilzüge", "D-Züge" und "Intercitys" immer wieder auf. Die berufsbedingte Reisetätigkeit schlägt sich also in der Themenauswahl seines "Alter Ego" nieder. Ich weiß nicht in welchem Jahr denn nun Martin Cern, der Dichter, geboren wurde, aber es muss doch schon recht lange her sein, denn sein erster selbständiger Gedichtband erschien 1967 unter dem Titel "Wartestand". Dörken war 39 und Martin Cern war da! Seit 39 Jahren, also seit 1972 gehört Gerd Helmut Dörken dem "Autorenkreis Ruhr-Mark" an, der in diesem Jahr sein fünfzigjähriges Bestehen feiert. Da hat es also Martin Cern schon gegeben und er wurde zum Weggefährten von Müller-Felsenburg! Dörken schreibt schon seit seiner Jugend Gedichte - wie es so viele romantische Jugendliche durchaus tun, die dann, wenn der Liebeskummer durch Liebesfreud ausgetauscht wurde, noch ein, zwei, drei Betroffenheitsgedichte verfassen und dann mangels Stoff mit der Dichterei wieder aufhören - der poetische Quell versickert im Sand...

Anders bei unserem Preisträger, seine Quelle versiegte nicht, seine dichterischen "Ergüsse" suchten sich ihren Weg, fanden ein "Bachbett" in das sich "Zuflüsse" ergossen und das "Rinnsal" zum respektablen "Wasserlauf" anwachsen ließen - der dichterische "Fluss" versiegte nie, das leben ließ ihn nicht "austrocknen", sondern neue "Quellen" finden - ich habe bereits auf die "Züge" in seinen Gedichten hingewiesen.

In seinen Gedichten geht es häufig um die Dinge des Alltags: um Hund und Katze und nicht zuletzt um den Menschen, um Leib und Seele, um die Liebe zu den Dingen, die ihn umgeben - dabei kommt auch der Eros nicht zu kurz, denn wie sagt sein Weggefährte Müller-Felsenburg in dem Gespräch mit Kirsten Niesler kurz vor seinem Tod:" ... , denn ohne das Animalische könnte kein neues Leben entstehen."

In diesem Jahr ist ein dünnes Bändchen mit 21 Gedichten aus Martin Cerns Lebenswerk erschienen. Es trägt den Titel "Auflösung". Herausgegeben von "dörkendesign werbeagentur" in Offenbach am Main, hinter der sich der Sohn Dörkens verbirgt, der auch die Auswahl der Gedichte vorgenommen hat. Eine liebevolle und beeindruckende Auswahl, in der all die oben erwähnten Elemente in der Lyrik Cerns Beispiele finden. Zwei ganz kurze Gedichte, zwei Aphorismen haben es mir angetan - ich muss sie zitieren:

Zuerst den Dreizeiler

Schlafen

Erst wenn wir schlafen und uns selbst entgleiten,
gelingt uns das: Die eig' ne Art ertragen,
auf Wolken dann auch himmelan zu reiten.

Können Sie ansatzweise nachvollziehen, wie tief mich diese Zeilen berührt haben? Bitte erwarten Sie keine schulmäßige Interpretation dieses tiefen Gedankens von mir, aber ich bin überzeugt, Dichtung spricht für sich. So spricht kein eitler, nur sich selbst bespiegelnder Narziss!

Wir wollen aber nicht in Ehrfurcht erstarren, das entspricht nicht der Intention des humorvollen Martin Cern-Dörken, deshalb gleich die ironischen Gedanken in dem zweiten kurzen Gedicht

Logisch

Es gibt keinen guten Grund,
um nicht einen treuen Hund
neben Herrchen zu bestatten,
außer dieser gute Hund
wäre selbst ein Treuegrund
für die Witwe jenes Gatten.

Zum Schluss muss ich Martin Cern über sich selbst sprechen lassen mit dem Gedicht

Dichter

Ob nun dieser alles richtig machte,
der die Leute gern zum Lachen brachte?
Oder hält Gelegenheit, sich auszureimen,
den gemeinen Menschen länger auf den Beinen?

Besser ist es in den meisten Fällen,
dunkle Mienen wieder aufzuhellen.
Seltsam wollen mir die Dichter scheinen,
die, was sie erfühlen, wirklich meinen,
das, obgleich oft der erdachte Mist
überhaupt nicht ernstzunehmen ist.

Meine Damen und Herren, erkennen Sie nun, dass Martin Cern ein würdiger Preisträger ist?

(9.November 2011)

***

Michael Fallenstein spricht als Sohn für die Familie, Foto: Werner BloemerAnsprache AMF Preisverleihung an Kirsten Niesler und Martin Cern,
von Michael Fallenstein

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Claus,
sehr geehrte/ Preisträger/in liebe Kirsten, lieber Herr Dörken (oder hier und heute doch eher Herr Cern)
lieber Herr Gey, lieber Herr Damm, meine Damen und Herren,

… Michael Fallenstein spricht für die Familie über Alfred Müller-Felsenburg… hhmmm, wenn das nun so in der Einladung steht, komme ich da ja nicht wirklich drum herum. Mich treibt da allerdings schon etwas die Sorge vor Redundanzen um – schließlich habe ich das bei AMF-Preisverleihungen nach dem Tod unseres Vaters schon öfters getan und Wiederholungen, zumindest derartige, liegen mir persönlich weniger, wenngleich dies in Literatenkreisen ja durchaus en Vogue zu sein scheint.

Beginne ich erst mal, um etwas Zeit zu gewinnen, mit dem Sprechen für die Familie (vielleicht rutscht mir dabei das eine oder andere über AMF raus, was Sie ja vielleicht noch nicht wissen):

Ich darf dir, liebe Kirsten und Ihnen, Herrn Cern, zunächst herzlich auch im Namen meiner Schwestern gratulieren, die beide wirklich sehr gern gekommen wären und versucht haben, das zu organisieren, aber beruflich und natürlich aufgrund der Entfernung (Paris und Bodensee) definitiv verhindert sind.

Aus Familiensicht ist es mir zudem wichtig, zu betonen, dass ich zwar formal in der Rechtsnachfolge des Literaturnachlasses unseres Vaters stehe, meine Schwestern und ich aber bewusst nicht (!) dem Kuratorium für die Preisträgerauswahl angehören und wir uns in dessen Arbeit auch nicht einmischen.

Wir sind dagegen sehr froh, das das Kuratorium um Herrn Gey und ehemalige Weggefährten unseres Vaters herum diese ursprünglich in vom Weine vernebelter Runde entsprungene „Marketing-Idee" kreativ, engagiert und mit viel ehrenamtlichem Herzblut fortsetzen.

Für all die damit verbundene Arbeit möchte ich Ihnen – allen voran Ihnen, lieber Herr Gey, an dieser Stelle mal meinen ausdrücklichen Dank aussprechen!

Aber was ist das eigentlich für ein Preis? Die Preisträger bekommen nach wie vor keinen müden Heller, sondern nur eine Urkunde sowie eine „ehrliche" Flasche Rotwein (An-merkung am Rande: Mir als Weingenießer war diese Degustationsnotiz noch nie sehr geheuer…) und - wenn noch auftreibbar - ein Buch unseres Vaters, das dann meistens ich überreicht habe.

Wenn man sich jetzt aber nach 23 Jahren (ein Jahr „Pause") die ausgesprochen honorige Preisträgerliste vor Augen führt und die dadurch mit ausgelöste Unterstützung und Wertschätzung, die ursprünglich vor allem jungen, eher unbekannteren, zunehmend aber hochkarätigen Literaten weit über die Region hinaus durch den „Preis für aufrechte Literatur" zuteil wurde, ist daraus mehr geworden, als nur eine Selbstvermarktungsschnapsidee!

Natürlich werden wir jeweils von der getroffenen Entscheidung für den/die aktuellen Preisträger/in durch Herrn Gey informiert. Bis jetzt hatten wir an den Entscheidungen der Jury auch nicht viel auszusetzen und wenn, hätte es nichts geändert.

In diesem Jahr hat uns das Kuratorium dann aber doch mehr als nur überrascht – und, wie ich inzwischen weiß – nicht nur uns:

Ein Preisträgerduo – beide aus Gevelsberg, dieser gleichermaßen bodenständigen wie liebenswert tollen Stadt, die nicht nur zu ihrem 125jährigen Bestehen viel an kulturellen Highlights zu bieten hat (BM Claus Jacobi hat darauf hingewiesen), die weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung finden. Das passt doch gut, wo unsere Eltern hier ihre letzten Lebensjahre verbringen durften, mein Vater schon viele Freunde kannte und - bis zum Schluss aktiv - den Gevelsberger Literaturstammtisch mit ins Leben gerufen hat. Und na-türlich bin ich mit meiner Familie in Gevelsberg inzwischen 20 Jahre zuhause und darf hier sogar - im Rat sitze ich meistens auf dem Platz da hinten – kommunalpolitisch legitimiert mein Unwesen treiben.

Die Preisträger: Mann und Frau – also auch den Genderaspekt hat das Kuratorium angemessen berücksichtigt.

Herr Cern – klar, Sie kennen nicht nur Eingeweihte, wie Herr Damm in seiner Laudatio ausdrücklich dargestellt und Ihr Lebenswerk gewürdigt hat. Was ich persönlich an Ihrer Wahl gut finde, hat damit zu tun, dass ich zum literarischen Lebenswerk meines Vaters immer ein zum Teil eher zwiespältiges Verhältnis hatte – mit allerdings einer Ausnahme: das waren seine unbestreitbaren lyrischen Qualitäten und seine Liebe zum Umgang mit Sprache. Insofern bin ich mehr als nur sicher, dass unser Vater Ihre Wahl ebenso gut geheißen hätte, wie das Kuratorium.

Dann zu dir, liebe Kirsten:

Um es mit Bilbo Beutlin zu sagen: „Das war schon ein Augenöffner!"

Klar, weiß ich, dass du schon mehr geschrieben und veröffentlicht hast, als die meisten, die sich mal mehr mal weniger berechtigt „Schriftsteller" nennen. Dies aber wohl weniger in „gebundener" denn in eher „flüchtiger" Papierform – und das sag ich ganz deutlich, auch wenn mir das deine Kollegen vielleicht krumm nehmen, seit du das hier in Gevelsberg leider nicht mehr tust und die Redaktionen zusammen gestrichen wurden, ist die diesbezügliche Qualität schon deutlich wahrnehmbar reduziert, und das meine nicht nur ich! – Du bist also Journalistin, keine Schriftstellerin/Literatin. Dein Reich ist und war die Realität, nicht die kreative Muse der Fantasie.

Dass ich die Preisverleihung an dich dennoch für genauso gelungen halte, wie für die an Herrn Cern, liegt nicht daran, dass du unserer Familie schon sehr sehr lange vertraut bist: ich plaudere jetzt mal aus dem Nähkästchen, hast du doch Angelas (also meiner Schwester, die heute in Paris lebt) Diplomarbeit abgetippt (elektrische Schreibmaschine; = jeder Fehler in der letzten Zeile = die ganze Seiter nochmal, nix mit PC) – Ich hab sie bei unserem Parisbesuch vorletzte Woche gefragt, wie gut du dabei warst: sie wollte dich nicht reinreißen ;-), wäre aber allein deinetwegen heute nur zu gerne dabei – ich soll dich ganz besonders lieb grüßen.

Also warum bist du aus unserer Familiensicht mehr als geeignet?

Ich komme nochmal auf den Titel des Preises zurück, nämlich „Preis für aufrechte Literatur" und darauf, dass unser Vater eben nicht nur Schriftsteller war, sondern mit mindestens gleich viel Anteilen Journalist, einer Aufgabe, der er sehr gerechtigkeitsempfindlich und spitzer Zunge – will sagen, nicht immer gerade mit angemessener diplomatischer Feinfühligkeit – aber großer Leidenschaft nachgegangen ist.

Von dir, deiner Ausgewogenheit, ohne deine politisch eher konservativen Positionen zu verraten, deiner Empathie, vor allem aber deiner „Aufrichtigkeit" war er immer sehr beeindruckt – das letzte große Interview vor seinem Tod hast du mit ihm im Hospiz geführt.

Ich hab‘s mir nochmal durchgelesen - und mich auch nach der schon vergangenen Zeit - anrühren lassen.

So ist also - zumindest für mich und meine Schwestern – die diesjährige Preisentscheidung eine mehr als gute.

Als Anregung von mir für das Kuratorium: Wie wäre es, wenn Sie zukünftig immer zwei Preisträger/innen auswählen? Eine/n Schriftsteller/-in und eine/n Journalist/-in

Aus meiner Sicht wäre das für den Alfred Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur und der Lebenswelt unseres Vaters sehr angemessen.

Zur Lebenswelt unseres Vaters nun vielleicht doch noch eine Information, die so sicher wenige kennen, aber Abend des 9. Novembers - in Gevelsberg läuft aktuell die Woche gegen rechte Gewalt mit vielen Aktionen – mehr als angemessen ist.

Für die kompromisslose Wut meines Vaters auf menschenverachtende Nazis und ihre hirnlosen Anhänger, sein Einsatz für Juden (Die Verfolgten war sein erstes Buch im Nachkriegsdeutschland, für das er sehr angefeindet wurde) ausgegrenzte Menschen und Ausländer jeder Rasse und Hautfarbe und Herkunft bin ich ihm heute noch dankbar, genauso wie für die an uns alle weitergereichte Liebe allem gegenüber, was zwei Buchdeckel hat.

Woraus aber resultierte diese Wut? Nun würde ich gerne stolz berichten, dass er schon immer diese Haltung hatte oder vielleicht sogar im Widerstand war – aber nein, er war noch viel zu jung, als er in französische Kriegsgefangenschaft geriet – und zu diesem Zeitpunkt auch schon aufgrund seiner Kriegserlebnisse zum katholischen Glauben konvertiert.

Nein, der Grund war – so ließ er es jedenfalls kurz vor seinem Tod durchblicken – pure Scham.

Mit 15 oder 16 Jahren kam er in eine Lehrerbildungsanstalt – so hieß das, glaube ich damals; bei der Wohnungsauflösung in Hagen fanden wir neben einem alten scharfen Wehrmachtsrevolver, den er sich für einen potenziellen Suizid aufbewahren wollte (bin ich nach heftigem Streit mit ihm auf der Gevelsberger Polizeiwache zum Glück losgeworden) wenige, sehr alte Schulhefte aus dieser Zeit, mit jugendlichen „den Führer verherrlichenden" Aufsätzen von ihm, die uns die Augen reiben ließen. So schrecklich, wie seine Kriegserlebnisse (er wurde kurz danach eingezogen) dann gewesen sein mussten, so dankbar war er ihnen, weil sie ihn gerade noch rechtzeitig haben „die Kurve kriegen lassen". Sein Leben lang hat er dies - so glaube ich - wiedergutmachen wollen – Ich habe da gut meinen Frieden mit ihm machen können, weil das in meinen Augen seine wirkliche Lebensleistung war.

So – jetzt kommt die Stelle, an der ich eines seiner Bücher überreichen soll – aber das wäre bei Euch oder Ihnen wohl ebenfalls mehr als nur redundant; draußen auf dem Büchertisch bei Frau Schumacher liegen Bücher von ihm aus seinem Nachlass; wenn Sie davon welche erwerben wollen, kommt das Geld dafür dem Gevelsberger Tafelladen zugute.

Menschenpflichten, eine (Liebes)erklärung in 19 Artikeln, 2011, Büchergilde GutenbergNein: ich will Euch/Ihnen heute ein anderes, ein besonderes Buch schenken, in dem - wenn man so will, ein Bruchteil der Gene von AMF - steckt.

In einem Seminar der Fakultät der Buchwissenschaften an der Johannes-Guttenberg-Universität in Mainz sollten die Studierenden im letzten Semester lernen, wie ein Buch zustande kommt. Die Seminarleitung hatte Herr Früh, seines Zeichens Chef der Büchergilde; er kam in Begleitung von Mehrdad Zaeri, einem Exil-Iraner, hochkarätigem Zeichner und Illustrator mit inzwischen internationaler Reputation.

Beide überraschten die Studierenden damit, dass sie nicht vorhätten, ein Theorieseminar zu leiten, sondern mit allen ein „echtes Buch" produzieren wollten, und zwar über die 1997 vom InterAction Council vorgelegte Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten.

Dann haben die Studierenden mit Begeisterung und viel Herzblut losgelegt und dieses schöne, sehr seltene, weil in kleiner Auflage erschienene und nur über die Büchergilde zu beziehende Buch produziert.

Was hat das mit den AMF-Genen zu tun?

Angela hat als Theaterwissenschaftlerin ein Buch über Theater im KZ verfasst, Ines ist Druckerin und Buchrestauratorin, ohne Bücher sind wir in meiner ganzen Familie nicht überlebensfähig, Gesa (unsere Tochter) hat nicht nur eine Ausbildung als Buchhändlerin absolviert, sondern war eine der 37 Studierenden in diesem Seminar und hatte unter anderem die Aufgabe, das frisch erschienene Buch mit Herrn Früh zusammen auf der letzten Frankfurter Buchmesse zu präsentieren.

Und warum passen das Buch bzw. seine Inhalte zu dieser Preisverleihung am heutigen 09. November, in der es - ich erinnere daran - um aufrechte Literatur geht, die sich also insbesondere schon jeglichen Ansätzen brauner Dumpfheit und Fremdenhass in den Weg stellen muss?

Ich zitiere einfach die beiden Artikel 13 und 14 daraus – dann werden Sie es wissen:

Sie richten sich insbesondere an uns als Politiker und an Sie als medial Verantwortliche. …

Ich möchte Ihnen beiden, liebe Kirsten und lieber Herr Cern, aber auch dir Claus, dieses Buch als Dank und als weitere Erinnerung an die heutige Preisverleihung überreichen.

(9.November 2011)

***

Ansprache zur Verleihung des Alfred Müller-Felsenburg-Preises für aufrechte Literatur 2011
am 9. November 2011 im Ratssaal der Stadt Gevelsberg,
von Kirsten Niesler


Kirsten Niesler bei der Danksagung, Foto: Werner Bloemer

Liebe Gäste,

ich bin nun die letzte in der langen Liste der Redner, und ich habe mich gefragt, ob das nun Glück ist oder Pech. Ich habe mich für Glück entschieden.

Denn Sie,  verehrte Gäste, haben jetzt schon so lange so vielen guten Rednern zugehört, dass ich vertrauensvoll davon ausgehen darf, dass Sie mir jetzt nicht mehr allzu kritisch zuhören. Es ist  nämlich keine leichte Bürde, anlässlich eines Preises für „aufrechte Literatur“ die richtigen und dazu noch möglichst kluge Worte zu finden. Ob mir das gelingt, weiß ich erst in einigen Minuten.

Ihre Resonanz wird aufrichtig sein, da bin ich sicher, doch wünschenswert wäre für mich schon auch Ihr Wohlwollen. Bedanken möchte mich schon jetzt bei Ihnen allen für Ihre Anwesenheit, denn allein Ihr Kommen ist schon eine große Ehre, und ich glaube ich darf hier auch für Herrn Dörken sprechen.

Jetzt habe ich schon so ganz nebenbei zwei wesentliche Bestandteile „aufrechter Literatur“ eingebracht. Denn die engsten Verwandten von „Aufrecht“  heißen „Richtig“ und „Aufrichtig“. „Richtig“ steht für die Kompetenz in der Sache. Sie ist das Fundament und nicht ohne Mühe zu haben. „Aufrichtig“ ist eine Haltung, ein Anspruch an sich selbst. Gerade ein „Gebrauchsliterat“ - und als solchen verstehe ich mich - darf in seinem Streben nach aufrechter Gesinnung nie nachlassen. Denn seine Worte beeinflussen, haben Wirkung, bilden Meinung und Klima. (Siehe auch Lilienthal, Volker: „Kritik und Verantwortung – Zur journalistischen Haltungsgeschichte nebst einiger subjektiver Exkurse“, Antrittsvorlesung, Hamburg, 2009).

Wer dem Anspruch einer aufrichtigen Haltung, und ich füge jetzt auch noch „verantwortungsbewussten Haltung“ hinzu - wer diesem Anspruch genügen will, muss bereit sein, sich  selbst immer neu zu überprüfen. Wie gehe ich mit den Fakten um? Was lasse ich weg, was hebe ich hervor? Lasse ich mich dabei von Interessen anderer leiten? Spielt Sympathie oder Antipathie eine Rolle bei der Beurteilung von Sachverhalten? Welche oder wessen Wertmaßstäbe lege ich an? Wo folge ich aus Bequemlichkeit der Meinung anderer, umso eher, wenn diese laut verkündet wird?

Ich zitiere einen der bedeutendsten, politischen Spiegel-Reporter der letzten Jahrzehnte, Jürgen Leinemann. Er erinnerte 2009 in seinem Buch „Das Leben ist der Ernstfall“: „Wer sich als Journalist den aufrechten Gang erhalten will, habe ich gelernt, der braucht ein reflektiertes Verhältnis zu sich selbst und seinem Beruf, einen verantwortlichen, bewussten Umgang mit der eigenen Subjektivität.“ (Leinemann, Jürgen: „Das Leben ist der Ernstfall“, Goldmann-TB, München 2011, S. 206.)

Jetzt würde der Redakteur einer Tageszeitung keine Zeile mehr zustande bringen, wenn er jedem Artikel eine so umfangreiche Selbstanalyse voranstellen wollte. Das wäre also nicht zu empfehlen. Nein, im Idealfall hat er diesen Check verinnerlicht und ist trotzdem immer wieder neu bereit, sich selbst zu hinterfragen. „Hege eine gute Meinung von dir selbst, aber bleib dabei vorsichtig.“ sagt Buddha in den „Worten der Weisheit“. (Kapitel 12, Selbst, Vers 157).

Wie sehr der Weg nach innen mit dem Begriff „aufrecht“ zusammenhängt, möchte ich an einem Verkehrsschild verbildlichen. Sie kennen sicher alle das Männchen, das auf eine Unterführung hinweist. Es steigt eine Treppe hinunter. Und es geht dabei vollkommen aufrecht. Eine Treppe hinunterzusteigen bedeutet in der Traum-  und Symbolanalyse sehr häufig, in das eigene Unterbewusstsein einzutauchen, wozu ein hohes Maß an Mut und Aufrichtigkeit notwendig ist.

Noch einen weiteren Hinweis kann das Unterführungsmännchen geben: Wer einer tieferen Wahrheit oder Wirklichkeit auf den Grund gehen will, muss den aufrechten Gang beherrschen. Sonst wird er große Mühe haben, an sein Ziel zu gelangen.

Beobachten Sie dagegen einmal Menschen, die nach oben wollen. Sie alle beugen sich nach vorn.

Das treffende Symbol vom Tunnel-Männchen entdeckten die Initiatoren des Alfred-Müller-Felsenburg-Preises in den ersten Jahren seiner Vergabe. In geselliger Runde warfen sich Hans-Werner Gey und seine Freunde damals Gedankenspiele um den Begriff „aufrecht“ zu. Ich habe das Männchen heute lediglich ein wenig tiefer ausgelotet.

Was heißt das alles jetzt für „aufrechte Literatur“, gleichgültig ob Berichterstattung oder Kunstfeder? Es bedeutet, dass der Schreibende auf gutem Wege ist, der seine Schriften in den Dienst größtmöglicher Aufrichtigkeit stellt, und dies im Wissen um die eigene, naturbedingt begrenzte Sichtweise.

Die zweite große Instanz „aufrechter Literatur“ ist das Gewissen, das aber bekanntlich - wir haben den 9. November – manipulierbar ist. Nun gibt es ein kollektives Gewissen, das dem Zeitgeist, der Kultur, der Gruppenzugehörigkeit  verpflichtet ist, und ein persönliches Gewissen, erwachsen unter anderem aus den Wertevorstellungen der Herkunftsfamilie und gereift an eigenem Erleben und Reflektieren. Wenn beide im guten Sinne zusammenwirken, sind sie im glücklichen Fall ein hochsensibler Sensor - und gepaart mit dem Begriff „aufrecht“ ein zuverlässiger Wegweiser.

Der „aufrechte Gang“ entsteht durch eine gesunde Haltung und nicht mit Hilfe eines Korsetts, das andere gefertigt haben und das seinem Träger eine nur scheinbare Standfestigkeit verleiht. Hier denke ich an Gedankenkorsetts durch Ideologien, Vorurteile und Egoismen. „Aufrecht“ darf auch nicht missverstanden werden als unnachgiebig, weil uneinsichtig. Es geht nicht darum, eine Meinung stramm durchzuziehen und Einwände nicht zuzulassen. Es geht vielmehr um eine zutiefst dem Leben zugewandte Haltung, die aufmerksam bleibt für neue Erkenntnisse. Ein Schreibender, der die Konsequenzen seiner Schriften im Blick behält, der also Verantwortung für sein Schreiben übernimmt, wird nicht so leicht das rechte Maß verlieren. Arbeiten wir daran, jeden Tag neu. 

Ich bedanke mich bei Dir, lieber Hans-Werner, als Initiator des Preises, und bei Dir Michael, dass Ihr bei den Überlegungen zur Preisvergabe an mich gedacht und für mich gesprochen habt. Das ehrt mich sehr, der Alfred-Müller-Felsenburg-Preis wird mir ein Ansporn sein. Vielen Dank für  Ihre Geduld.

(9.November 2011)

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